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Livekritik zu

Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran

02.07.2014 - 20.07.2014 | Berlin / Schlosspark Theater Berlin
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Deborah Katona
am 14.07.2014

Warum viel, wenn es auch mit wenig funktioniert? So lautet die Devise der Inszenierung von „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“, die nach einer erfolgreichen Erstaufführung im Jahr 2010 nun an die Bühnen des Schlosspark Theaters in Berlin-Steglitz zurück gekehrt ist.

Das Motto zeigt sich schon im kargen Bühnenbild, das lediglich aus einigen Vorhängen, ein paar Kisten und einem Sessel samt Stehlampe besteht. Es ist ein einfaches, aber geschicktes Bühnenbild: mit wenigen Handgriffen wird der Kolonialwarenladen zum Lesesaal, zum Stundenzimmer oder zum Auto auf der Reise nach Anatolien.

In diesem Setting teilen sich die beiden Schauspieler – Astrid Kohrs und Ilja Richter – alle Parts auf. Kohrs übernimmt die kleinen, aber wichtigen Nebenrollen von Prostituierte über Mutter oder Vater bis hin zu Brigitte Bardot. Richter schlüpft in die beiden Hauptrollen Monsieur Ibrahim sowie die des jüdischen Jungen Moses. Beide Akteure machen ihre Sache gut, besonders die Mimik von Ilja Richter ist erstaunlich. Er schwenkt in Sekundenschnelle vom hibbeligen Jungen Moses zum behäbigen, weisen Monsieur Ibrahim. Vor allem im zweiten Teil steht Richter fast ausschließlich allein auf der Bühne und bietet seine Zwei-Personen-in-einer-Darstellung. Er erzählt die Geschichte und spielt sie gleichzeitig mit ausladender Gestik und angenehmer Klangfarbe in der Stimme.

Diese Geschichte eben dreht sich um den jungen, einsamen Juden Moses. Er lebt mit seinem depressiven Vater, gezeichnet durch den Verlust von Eltern und Ehefrau, in der Rue Bleue. Dort hat auch Monsieur Ibrahim, den alle nur „den Araber“ nennen, seinen Kolonialwarenladen. Monsieur Ibrahim ist ein entspannter, weiser Mann. Er sitzt tagtäglich auf seinem Hocker, beobachtet das Geschehen und kennt dadurch alle Geschichten der Straßenbewohner. Nach und nach entwickelt sich eine Freundschaft zwischen den beiden – trotz des hohen Altersunterschieds und Moses Diebstählen im Laden des Monsieurs.

Monsieur Ibrahim lehrt den Jungen das Lächeln, gibt ihm nach und nach seine Lebensfreude zurück und schenkt ihm eine Wärme, die er vorher noch nie erleben durfte. Als Moses Vater den Jungen schließlich verlässt und sich das Leben nimmt, werden aus Freunden Vater und Sohn und Monsieur Ibrahim nimmt Moses mit auf eine Reise in seine Heimat und zu den Derwischen.

Das Stück, einstudiert unter der Regie von Paul Bäcker, hält sich stark an die Originalvorlage des Buches von Éric-Emmanuel Schmitt. Was im Lesestoff dabei so herzlich, liebe- und phantasievoll dargestellt wird, verliert auf der Bühne manchmal leider etwas an Charme. Die märchenhafte Erzählung erhält im Schlosspark Theater teils Slapstick-Charakter. Das wirkt dann ein wenig platt und nach auf-Teufel-komm-raus-witzig. So erweicht das Stück nicht so sehr das Herz und rührt die Seele wie die geschriebenen Zeilen von Schmitt. Jedoch, das muss man zugeben, unterhält es den gesamten Zeitraum über und gibt seine Lebensweisheit mit auf den Nachhauseweg: Mit einem Lächeln auf den Lippen geht es leichter durchs Leben.

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Karges Bühnenbild, zwei Schauspieler und ein Lächeln auf den Lippen.

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