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Livekritik zu

Lichtbilder

09.07.2014 - 05.10.2014 | Frankfurt am Main / Städelmuseum
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Katja Marquardt
am 11.08.2014

Die Ausstellung „Lichtbilder“ im Städel-Museum Frankfurt begibt sich auf einen Streifzug durch die Geschichte der Fotokunst: Die Schau zeigt ausschließlich Werke aus der eigenen Sammlung von den Anfängen der Fotografie – also in den 1840er Jahren – bis etwa 1960.

In den verschiedenen Räumen präsentiert die Ausstellung chronologisch die einzelnen Strömungen der europäischen Fotokunst, etwa den Piktorialismus, die Neue Sachlichkeit oder den Surrealismus. Die zentralen Themen sind der Wandel der fotografischen Ästhetik,  der Stellenwert der Fotografie innerhalb der Kunst und die Experimentierfreude der Fotografen. Mal stehen die technischen Möglichkeiten im Vordergrund und werden ausgereizt, dann gewinnen wieder ästhetische Anforderungen an Bedeutung. Spannend zu sehen ist, dass die Künstler ihre Werke als Gemälde betrachten, sie werden kunstvoll komponiert, signiert, übermalt, nachkoloriert. Die Motive der frühen Jahrzehnte sind dabei zumeist Porträts, Landschaften und Architektur.

Einen Höhepunkt bildet der Raum mit den zahlreichen Sehnsuchtsbildern aus Italien: pittoreske Landschaften, gestellte schematische Darstellungen von (vermeintlichen) italienischen Alltagsszenen, etwa bei der Makkaroni-Herstellung oder beim Lausen. Diese fotografische Strömung kam damals dem durch die technischen Möglichkeiten neu erwachten Bedürfnis nach fotografischen Reisesouvenirs nach. Die Kundenwünsche der Italientouristen trieben dabei wohl technische Neuerungen voran: Durch ein aufwendiges Verfahren schaffte es der Fotokünstler Giorgio Sommer, den bei Venedig-Touristen so beliebten Nachthimmel-Effekt darzustellen. Quasi ein ganz früher Photoshop-Effekt, Nachtfotografie war damals natürlich noch nicht möglich.

Obwohl eigentlich alle Exponate in schwarz-weiß sind, erkennt man trotzdem viele verschiedene Farbabstufungen und Schattierungen. Die umfangreichen, aber nicht erschlagenden Wandtexte erklären, dass das von den Künstlern genau so gewollt war. Es ist erstaunlich, wie die Pioniere der Fotografie schon ganz gezielt mit verschiedenen Belichtungseffekten experimentierten. Unter den Künstlern sind bekannte Fotografen wie Man Ray, August Sander oder Albert Renger-Patzsch, aber auch unbekannte Amateure.

Die erste Hälfte der Ausstellung ist dabei wesentlich spannender. Natürlich, es geht um künstlerische Fotografie und um die ästhetische Wahrnehmung des Mediums. In den letzten beiden Räumen man fragt sich dennoch, warum aus einer Zeit, in der die Fotografie als Massenmedium zunehmende gesellschaftliche und politische Bedeutung gewann, ausgerechnet diese Bilder ausgewählt wurden – etwa eine ganze Serie von Maschinenaufnahmen, verschiedene Stillleben oder Stoffmuster. Der letzte Raum widmet sich der „subjektiven Fotografie“, die in den 50er Jahren maßgeblich durch die Gruppe „fotoform“ geprägt wurde. Die Ausstellung franst dann am Ende auch etwas aus, ganz zum Schluss sind schließlich noch zwei Farbaufnahmen aus den Siebzigerjahren zu sehen. 

Besucherfazit

spannende Reise durch die Geschichte der künstlerischen Fotografie

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