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Livekritik zu

Les Ballets Russes

30.05.2014 - 14.07.2014 | München / Nationaltheater München
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cgohlke
am 23.06.2014

Ballet Slippers, Fauns, and Swords; Oh My!

„Les Ballet Russes“ in München

 

Sergei Djagilew hieß der Mann, der 1909 die Ballett-Gruppe gründete, die unter dem Namen Les Ballet Russes Geschichte schrieb. Um russische Kunst in Europa bekannter zu machen, veranstaltet der begnadete Impressario erst in Paris, später auch in den USA gefeirte Gastspiele. Als Djagilew zwanzig Jahre später starb, löste sich die Gruppe zwar auf. Das tänzerische Erbe aber ist bis heute lebendig.

Drei Choreographien dieser legendären Gruppe sind zum Beispiel beim Bayerischen Staatsballett zu sehen. Der Abend unter dem Titel „Les Ballets Russes“ vereint Nijinskas „Les Biches“, uraufgeführt 1924 in Monte Carlo, seit 2008 in München zu sehen, Nijinskys „L’Après-midi d’un faune“, das 1912in Paris Premiere hatte und 2009 vom Staatsballett wiederbelebt wurde, und zuletzt Mikhail Fokins 1910 uraufgeführte „Shéhérazade“, die ebenfalls seit 2008 in München zu sehen ist.

„Les Biches“, was hier ungefähr so viel wie Teenager bedeutet, spielt an einem Sommermittag in einer Villa an der Côte d’azur. Eine pastellfarbene Bühne und Kostüme in der Eleganz der 20er Jahre (Marie Laurencin) erzeugen eine leichte spielerische Atmosphäre. Junge Mädchen flirten mit drei Athleten – so könnte man knapp zusammenfassen, worum es hier geht. Das ist nicht viel. Umso größer ist der Raum für die Entfaltung tänzerischen Könnens. Bronsislawa Nijinska nutzte ein ganz klassisches Vokabular, um die Musik von Francis Poulanc zu vertanzen. Leider zeigten sich hier beim Staatsballett einige technische Schwächen, sowohl im Ensemble der zwölf jungen Damen, die es immer wieder an Symmetrie fehlen ließen, als auch bei den Solisten, deren Drehungen (Tour en l’air) verunglückten (Javier Amo, Maxim Chashchegorov, Matej Urban) oder deren Entrechats ungleichmäßig ausgeführt wurden (Mai Kono entschied sich jedenfalls für eine andere Variante als Ilana Werner). Sicher, so etwas kann den Besten passieren. Aber hier häuften sich die kleinen (und größeren) Missgeschicke so sehr, dass vom Charme des Stückes nur wenig übrig blieb. Es kam hinzu, dass die Abstimmung mit dem (an sich klangschön spielenden) Orchester nicht so recht glücken wollte, obwohl Velery Ovsianikov doch gerade beim Dirigieren von Balletten über große Erfahrung verfügt.

Besser gelang der Nachmittag eines Faun, diesem „Scharnierstück zwischen Klassik und Moderne“, wie es im Programmbuch des Staatsballetts heißt. Nijinski brach in dieser kleinen Choreographie mit der klassischen Tanzästhetik und stellte zudem einen lüsternen Faun dar. Damals, 1912, war das ein Skandal. Heute interessiert das Stück aus historischen Gründen – und erfreut in seiner von Tigran Mikyelyan (Faun) und Séverine Ferrolier (Nymphe) ausgedrückten Sinnlichkeit.

In orientalische Gefilde führte schließlich das letzte Stück. Die üppige Farbigkeit der Kostüme (die Entwürfe stammen von Léon Bakst), die schiere Masse der Tänzer, die Oppulenz der Musik, das nimmt schon auch heute noch für sich ein. Und Lukás Slavický und Daria Sukhorukova beeindruckten als Liebespaar mit Leidenschaft und technischer Brillanz. Dafür gab es am Ende langen und verdienten Beifall.

 

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Historisch interessant, technisch anfechtbar

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