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Livekritik zu

Hamlet

17.09.2008 - 17.05.2015 | Berlin / Schaubühne am Lehniner Platz
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Frollainwunder
am 27.10.2014
ich bin süchtig. selbst beim vierten mal "hamlet" wurde mir klar, es wird noch ein fünftes mal geben. dieses mal saß ich statt in der letzten reihe mal in der dritten reihe und konnte wirklich jedes detail einatmen. ja, das stück geht 2 stunden und 45 minuten, hat keine pause, aber das muss keine angst machen. es passiert genug auf der reise in den kosmos "hamlet". ostermeier hat hier ein saftiges regiestück abgeliefert mit einem begnadeten lars eidinger als titelkraftstrotz. im fatsuit, im dunklen anzug und derben schuhen, gibt er den verzogenen muttersohn, eifersüchtig, anmaßend, launisch. und leidend, den vater verloren, die mutter in den armen des geilen großkotzes und verhassten onkels.
 
hamlet erscheint der vater als blutüberströmter geist und er erfährt vom mord. nach 40 minuten rauscht der theaterabend in einen wahnwilden ritt, in der eidinger zum totalen performer wird ohne den anspruch des klassikers aus den augen zu verlieren. immer nah am zeitgeist, popkulturlike, kommt uns der moderne hamlet gefährlich nah. es wird gerappt, gerast, geschrien, gegrinst, gefeixt, geschmollt. eidinger kriecht durch die erde (die bühne ist davon komplett bedeckt). frisst dreck, schmeißt um sich, will den wahnsinn und man rauscht hemmungslos mit. immer wieder wird es ironisch. dann garstig, dann wieder inbrünstig. ich kann mich nicht sattsehen an dem, was eidinger aus sich herausholt um zu diesem hamlet zu werden. ein totaler trip voller abgründe und tiefen. und trotzdem macht es verdammt großartigen spaß. 
 
dafür sorgt auch das schaubühnen-ensemble um ihren performing artist formerly known as lars eidinger. urs jucker als hamlets vater und onkel will strotzen, zerschellt aber an hamlets berserkertum. jenny könig spielte dieses mal die mutter und die geliebte ophelia und ringt sich in beiden rollen alles ab, zerbrechlich und doch stark. in hamlets armen muss sie viel erdulden. bühnenkingkauz robert beyer doppelrollt mal todernst, dann wieder urkomisch. sebastian schwarz und franz hartwig sind die sympathischstarken freunde/gesandten an hamlets seite. der tosende applaus galt allen, auch wenn eidinger natürlich die überdosis gebührt. 
mit im publikum: regisseur ostermeier und eidingers frau ute mit allerliebstem töchterchen. dieses mal gab es hinterher noch was auf die ohren. lars als fame-dj seiner autistic disco im saal c. von der decke glitzerpuschel, an der wand zoomten abgefahrene sprüche und es wurde irgendwie-getanzt zu oldschool-mucke von notorious b.i.g., beats international, ll cool j. ein perfekter sonnabend-abend.

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lars eidinger als intensiver rachefürst

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