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Livekritik zu

1914–1918. Der Erste Weltkrieg

29.05.2014 - 30.11.2014 | Berlin [ Mitte ] / Deutsches Historisches Museum Berlin
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Till Führer
am 15.09.2014

Das Jahr 2014 ist schon zu zwei Dritteln vorbei. Nach der Anfang des Jahres kaum zu überblickenden Masse an Zeitungsartikeln, Büchern, Dokumentationen und Ausstellungen scheint eine Art Weltkriegs-Erinnerungs-Müdigkeit eingetreten zu sein. Ein Grund mehr, sich der Ausstellung im Deutschen Historischen Museum zum ersten Weltkrieg, der „Urkatastrophe“ des 20. Jahrhunderts, erneut zu widmen.

Und es lohnt sich. Die Ausstellung empfängt den Besucher martialisch: Zwischen marschierenden Truppen auf meterhohen Leinwänden und von der Decke hängen Zitate von Zeitzeugen, aufgedruckt auf Fallbeil-Attrappen. Diese Ambivalenz zieht sich durch die weitere Ausstellung. Einerseits präsentiert sie sich inhaltlich unaufgeregt, schließlich ist die Wirklichkeit schrecklich genug, andererseits erinnert sie durch viele, kaum gealtert erscheinende Reliquien an ein Horrorkabinett. Garde- und Kriegsuniformen wirken nicht wie hundert Jahre alt, auf Mannequins wirken sie ungleich lebendig und bedrückend.

Altes Kriegsgerät, „Gulaschkanonen“, chirurgisches Besteck, ein Flachmann mit Kriegsrhetorik, Kinder- und Brettspiele mit Weltkriegsmotiven. Daneben Propagandaplakate, Fotografien und Tagebucheinträge, vereinzelt zeitgenössische Kunstwerke, insbesondere Malereien mit kritischer Auseinandersetzung. Text- und Informationstafeln sorgen für die nötigen Hintergrundinformationen. Die im Flyer angepriesenen persönlichen Schicksale muss man allerdings etwas genauer suchen.

Dem Deutschen Historischen Museum gelingt der Spagat zwischen der Darstellung kriegerischer Grausamkeit ohne übermäßige Schockeffekte und politischer Information ohne überambitionierter Interpretation. Wer sich bereits eingehend mit dem Thema beschäftigt hat, wird möglicherweise wenig Neues erfahren. Aber das kann bei der Größe des Themas auch nicht der Anspruch sein. Tiefergehende Literatur, zuletzt Herfried Münklers viel gelobtes Werk Der Große Krieg, helfen da weiter.

Auch wenn es, für heutige Generationen und im Grunde für jeden Menschen, niemals möglich sein wird, ein solches Gräuel auch nur rudimentär nachzuvollziehen, ist die Ausstellung dennoch lohnenswert für einen notwendigen Eindruck. Wo die Zeugen fehlen - der letzte Veteran des ersten Weltkrieges ist 2011 gestorben - müssen die Archive versuchen, weiter zu erzählen. Auch wenn ihr Scheitern vorprogrammiert ist.

http://www.buchstabe27.de/ausstellung-dhm-der-erste-weltkrieg/

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Lohnenswerter Überblick gegen die Erinnerungsmüdigkeit

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