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Livekritik zu

Schwanensee

12.02.2013 - 25.11.2013 | Berlin [ Charlottenburg ] / Deutsche Oper Berlin
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Till Führer
am 14.10.2013

Wie die kleinen Kinder

Das Staatsballett Berlin inszeniert Schwanensee in der Deutschen Oper Berlin. Was sich nach Klassiker anhört, sieht auch so aus und hört sich auch so an - auf der Bühne! Die nahezu perfekte Inszenierung entfacht auf den Rängen allerdings eine fast schon ausgelassen begeisterte Stimmung, die an Rockkonzerte oder Sportveranstaltungen denken lässt. Doch wer will es den Ballettfans bei dieser Darbietung verübeln.

Die Geschichte von Tschaikowskis berühmten Balletts sollte - spätestens nach Natalie Portmanns "Black Swan" - auch jüngerem Publikum in Grundzügen bekannt sein: Prinz Siegfried verliebt sich in die verzauberte Schwanenprinzessin Odette und schwört ihr, um den Fluch zu brechen, ewige Treue. Beim großen Ball am nächsten Tag wird er allerdings das Opfer einer Intrige. Der böse Zauberer Rotbart bringt Odile zum Ball, eine Art negatives Ebenbild der weißen Odette. Der Prinz verfällt dem dunklen Charme und bemerkt zu spät seinen Fehler... mit dramatischen Folgen.

Die Inszenierung ist fantastisch! Siegfried (Dinu Tamazlacaru) und sein Freund Benno (Alexej Orlenco) tanzen von Beginn an stark, auch wenn Benno anfangs sogar etwas mehr beeindruckt. Psychologisch einfühlsam wird die Beziehung der beiden ausgedeutet und auf eine leicht homoerotische Ebene gehoben. Dem Stück tut es gut, dass beide Figuren deutlich aufgewertet wurden und viel Raum bekommen für ihre steinige Suche nach der Liebe. Auch Rotbart (Arshak Ghalumyan) als dritte männliche Figur ist absolut präsent mit seinen energischen, raumgreifenden Sprüngen.

Aber natürlich stehlen die Schwäne den Männern oftmals die Show. Die Choreographie des Schwanenballetts ist einfach unglaublich. Manchmal wünscht man sich eine erhöhte Draufsicht, um all die Feinheiten zu begreifen. Die zarten Flügel, die feine Fußarbeit... keine Effekthascherei, sondern einfach großartig. Und dann natürlich Iana Salenko als Schwanenprinzessin Odette und später als der schwarze Schwan Odile: anfangs noch so zerbrechlich und filigran, dass man Angst um sie haben muss. So grazil und schüchtern sie als Odette wirkt, umso verführerischer präsentiert sie sich als Odile. Die Transformation ist beeindruckend und macht den zweiten Teil des Stückes bis hin zum Finale (ich verrate jetzt nicht, welche der verschiedenen Varianten gewählt wurde, ob Erlösungsschluß oder dramatischer Tod) zum Highlight der Inszenierung.

Auch die Nebenrollen tanzen hinreißend in wunderschönen Kostümen, die zwar eher klassisch daherkommen, aber keinesfalls altmodisch wirken. Einige Kostüme und Darbietungen während des Balls sind etwas gewöhnungsbedürftig, bringen aber umso gelungener die Außergewöhnlichkeit der Odile hervor. Lediglich die Königin (Nadja Saidakova) konnte in meinen Augen nicht ganz mit der Qualität des restlichen Ensembles mithalten. Aber hier spricht der Laie.

Am Ende erhielt Dinu Tamazlacaru noch die Daphne, den Publikumspreis der Berliner Theatergemeinde, überreicht. Wäre der Preis nur auf Grund dieses abends verliehen worden, er wäre ebenso gerechtfertigt: das Publikum applaudierte ausgelassen auch mitten in der Choreographie, so dass ein Sonderlob für die Konzentrationsfähigkeit der Tänzer fällig wird. Was für eine Stimmung!

Am Ende dankt Dinu artig, aber sehr sympathisch seinem Lehrer Vladimir Malakhov. Dinu ist seit 2012 im Rang des ersten Solotänzers und wie Malakhov richtig bemerkte: man wünscht ihm vor allem Gesundheit, damit er den Berliner Ballettfans noch lange so große Freude bereitet!

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Ausgelassene Stimmung und eine beeindruckende Inszenierung!

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