Overlay
Livekritik zu

Geld - Bildnerische Poetik zu einem unerlässlichen Thema

16.01.2014 - 12.12.2014 | Strausberg / Sparkasse Märkisch-Oderland
« zurück zur Veranstaltungsseite
Till Führer
am 11.03.2014

„Geld“ ist das Thema der Jahresausstellung 2014 in der Strausberger Sparkasse, Untertitel „Bildnerische Poetik zu einem unerlässlichen Thema“. Die Sparkasse selber insistiert, dass die Idee nicht von Ihnen stamme, sondern von Kuratorin Anke Zeisler. Eine gewisse Kuriosität kann man der Themenwahl dennoch nicht absprechen.

 

Dabei ist die Ausstellung in Teilen durchaus lohnenswert. Über bildende Kunst, Zeichnungen, Tuschzeichnungen und großformatigen Malereien wird eine Bandbreite an interessanten künstlerischen  Auseinandersetzungen gezeigt. Darunter echte Perlen regionaler Künstler wie Regina Niekes großformatige Ölbilder „Grass“ oder „Goldfield“ oder Kai Klahres „Alberich II“ mit Motiven aus Wagners Ring. Auch Horst Hussels Zeichnungen auf alten Inflationsscheinen und Frank Dierschs Tuschzeichnungen gefallen. Ein ausgestellter Entwurf einer 10 Euro Gedenkmünze zum 200. Geburtstag von Georg Büchner trägt neben dem Profil des Dramatikers auch die stilisierten Umrisse des "Hessischen Landboten" auf der Zahlseite. Den „Krieg den Palästen“ verlor die Künstlerin allerdings, weil eben diese Zahlseite der Gedenkmünze nicht verändert  werden durfte.

 

An der Grundproblematik des Geldes kratzen aber vor allem die Kunstscheine einer Aktion vom Anfang der 90er Jahre: in Berlin Prenzlauer Berg wurde für sieben Wochen eine Doppelwährung installiert. Frei nach Diogenes Ausspruch, Geld solle am besten aus stinkenden Knochen bestehen, um Verschatzung vorzubeugen und die Knochen in Umlauf zu halten, wurde die Währung „20 Knochen“ getauft und war in diversen Bars und Geschäften gültiges Zahlungsmittel. Die von verschiedenen Künstlern entworfenen Scheine kamen am Ende der Aktion allerdings nicht alle zurück, offenbar überstieg ihr künstlerischer Wert den Zahlungswert. Das an sich wertlose Blatt Papier erhielt durch den Künstler einen über den Zahlwert hinausgehende Bedeutung.

 

Geld – als Speichermedium für Leistung erfunden, war es nicht erst in Wirtschaftskrisen auch immer wieder Symbol für soziale Brennpunkte und schlicht Gier, mit dem Dämon „Mammon“ als Sinnbild des letzteren. Während Banken die Erfindung berufsbedingt preisen sind sicher auch einige der ausgestellten Künstler finanziell eher in einer prekären Lage. Und während die Ausstellung selbstbewusst mit den Worten eröffnet wird, dass die Bilder hier an der richtigen Stelle seien, weil „Künstler nur über Geld sprechen, und Banker über Kunst“, vermisst man doch die etwas stärker politisch motivierten Werke.

 

Wie spannungsgeladen Geld im Kontext von Gesellschaft, Kunst und Politik ist, diese Diskussion wird nicht erfüllend ausbuchstabiert. Natürlich kann sich die Ausstellung nicht mit z.B. der Sammlung Haupt oder Michael Marcovicis „One Billion Dollar“ messen. (Letzteres war eine Installation aus zehn Millionen 100 Dollar Scheinen, dessen Verkaufswert ebenfalls eine Milliarde Dollar betrug und die eigene Redundanz und die des spekulativen Kunstmarktes zeigen sollte. Die Installation wurde im Miniaturmaßstab umgesetzt, weil die Umsetzung mit echten Banknoten an zu hohen Zinsen scheiterte.) Ein wenig mehr Mut zur Politik hätte der Ausstellung dennoch gut getan.

 

Dass die Räumlichkeiten der Sparkasse Strausberg architektonisch nicht der optimale Präsentationsort sind und einige Objekte so etwas an Würdigung einbüßen, kann man den Werken (die natürlich alle käuflich erworben werden können) selber natürlich kaum zur Last legen.

Besucherfazit

Teilweise lohnenswerte, aber unprovokante künstlerische Auseinandersetzung

Bewertung

  • Fazit
  • Unterhaltung
  • Anspruch
  • Preis/Leistung
  • Atmosphäre

Medien von Till Führer

Alberich II
Nieke I
Nieke II
Die Künstler inkl. Kuratorin Anke Zeisler bei der Eröffnung
8 Personen fanden diese Livekritik hilfreich.
Konnte Ihnen diese Livekritik helfen?
Ja

Ähnliche Veranstaltungen in der Nähe

Zuletzt aktive Livekritiker

  • Ute Schmücker
  • Alminka Divković Hurabašić
  • Nick Pulina
  • Christin Buse
  • Esther Barth
  • Katja Marquardt
  • Peter Griesbeck
  • theatermail nrw
  • Frollainwunder
  • Stephanie Speckmann
  • Erzählung
  • Altfriedland
  • Sarah Divkovic
  • Katharina Hö
  • AnneW
  • Silke Liria Blumbach
  • Wilhelmine Molt
  • Meerfreude
  • Klaus
  • Dresdner Kabarett Breschke und Schuch
  • Mel Kep

Für Freikarten und Kulturtipps

Andere Besucher interessierte auch

Machen Sie mit

Kultur erleben

  • Erhalten Sie Informationen zu Veranstaltungen, die Sie wirklich interessieren.
  • Austauschen mit anderen Livekritikern.
  • Gewinnen Sie Freikarten.
Jetzt kostenlos registrieren!