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Livekritik zu

1 / 1 Nils Petter Molvaer und Moritz von Oswald beim XJazz Festival Berlin

09.05.2014 | Berlin / BI NUU
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Till Führer
am 11.05.2014

Moritz von Oswald hat etwas gegen Schubladendenken und Nils Petter Molvær mag den Begriff „Jazz“ nicht, zu dessen Genre er üblicherweise gezählt wird. Zusammen haben sie im Oktober 2013 ein Album mit dem Titel 1/1 auf den Markt gebracht. Beim XJazz Festival in Berlin zeigen die beiden eine Symbiose aus Techno und Jazz, für die eine Genrebezeichnung noch nicht erfunden ist.

Beide Musiker sind Legenden. Der eine, Moritz von Oswald, hat als gelernter Schlagzeuger in den frühen Neunzigern die aus Detroit stammende elektronische Musikszene mit seinen sphärischen Bässen entscheidend weiterentwickelt und geprägt. Der norwegische Trompeter Nils Petter Molvær hingegen gilt als Pioneer, wenn es um die Verschmelzung von Jazz und elektronischer Musik geht.

Lässt man alle Erwartungen und Einordnungsversuche hinter sich – wie es das neue XJazz Festival mit seinem Programm in beeindruckender Weise vormacht – entspinnt sich einem eine Welt voller brodelnder Bassgewitter und poetischen Trompetenklängen. Synthetisch generierte Soundflächen treffen auf zarte Improvisationen des Blechbläsers.

Dabei rückt kein Klang in den Vordergrund, keine Musikart dominiert die andere. Die Fusion ist tatsächlich so beeindruckend, dass man im Klang des Raumes zu schweben glaubt. Anders als bei ähnlichen stilistischen Fusionen, etwa zwischen Klassik und Techno, zerstört der vier-viertel Takt des Techno nicht seinen Gegenüber. Ohne in ein tanzbares Format oder gar Clubatmosphäre abzuschwenken pendelt der Takt eher unterschwellig durch den Raum ohne an Energie zu verlieren. Die auf den Punkt genauen, sehr trockenen Bässe Moritz von Oswalds dringen ohne unnötige Schnörkel tief ein in die Brust und hinter die Augäpfel. Gefühl und Poesie von Molværs Trompete verhindern andererseits eine zu starke Zuspitzung zu einer elektronischen Avantgarde.

Augen zu und sich vom Sound überwältigen lassen. Ohne Begriffe dafür finden zu müssen oder wollen. Auch mit der Mathematik scheitert man. Hier gilt 1+1=1/1.

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