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Livekritik zu

Peepshow

01.12.2013 - 21.12.2013 | Dresden / Theater Wechselbad Dresden
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teichelmauke
am 12.12.2013

Rotkäppchen und der Wolf wird am Anfang erzählt, leicht erotisiert, aber in eine Richtung, die auch den Staatsanwalt interessiert. Beklemmung von Anfang an, getragen nicht nur durch einen exzellenten Einsatz von Video (Wolfgang Kurtz) mit eingebetteten Zeichnungen (Johanna Landwehr). Man vermisst den Wackerstein als Lösungsansatz. 

Danach verhängnisvolle, einfache Fragen. Ein Machtspiel zwischen Mädchen und Mann; klar, wer gewinnt. Weiter begleitet von wundersamen, absolut stimmigen Bildern. 

Die nächste Geschichte, vom Kotzen in den Schnee, unter anderem, eine Definition der Liebe wie bei Kettcar neulich, mit Anspruch auf Allgemeingültigkeit. 

Dann ein Traum im Traum (im Traum), wie Matrijoschkas steigen die Ebenen heraus. Grandioses (Körper-)Spiel der Alleinakteurin Anna Möbus, kongenial geführt durch die Eigenkompositionen vonFrieder Zimmermann, der diese live auf E-Gitarre und diversen Rechengeräten spielt. 

50 ways to leave your lover mal anders, unterstützt durch ein Mikrofonkonzept, das Anna Möbus leicht die Rollen wechseln lässt. Nicht nur der Kapuzenmantel (Kostüme: Eva Mühlenbeck) spielt mit, auch der Bühnenraum (Birgit Schuh) kann sprechen und wird in Gänze bespielt. 

Die Idee, Frieder Zimmermann einen (kleinen) Teil des Textes sprechen zu lassen, ist nachvollziehbar, funktioniert aber für mich nur bedingt. Und wenn ich dann noch berichte, dass ich gelegentlich getreu einem Altmeister „mehr Licht“ hätte rufen wollen, sind damit die Kritikstellen auch schon aufgezählt. 

Umso heller glänzt der Stern von Anna Möbus. Sie spielt, singt, tanzt, ist jede Sekunde voll präsent... Eine Riesenleistung. 

„Man kann nie wissen“, manche Worte werden unendlich oft wiederholt, bis sie ihre alte Bedeutung verlieren und viele neue gewinnen. 

Die erzählten Geschichten hängen alle irgendwie zusammen, oder nicht? Man kann sich der Faszination dieser Shortstories nicht entziehen. „Nicht ohne (etwas) leben können“ ist relativ, ich ahnte es. 

Und bei der Schilderung einer ersten S/M-Erfahrung, ausgelöst durch einen kleinen Hund, krampft sich meine Hand in die Stuhllehne. Zum Glück geht es gut aus, banal fast, frustrierend für die Protagonistin. 

Dann noch eine offene Wunde für eine vergangene Beziehung, man lässt (fast) nichts aus. Ein großartiger Text ist das, geschrieben 2005 von der Kanadierin Marie Brassard, viel zu selten bisher aufgeführt. Eine echte Entdeckung für mich. 

Schattenspiele leiten den Schluss ein. 

Welche Tür soll man öffnen? Ach, wenn wir das nur wüssten… Am Ende singt sie Elvis, „Are you lonesome tonight?“, jeder Gedanke an die von seinem Lachanfall geprägte Las-Vegas-Version verbietet sich. 

Ein phantastischer Abend. 

Das in solch perfekter Form von mir noch nie gesehene Zusammenspiel aller eingesetzten Medien, das der Regisseur Dominik Schiefner auf die Bühne gebracht hat, wäre allein das Kommen wert. Und wer sich am Ende nicht in die Darstellerin verliebt hat – egal ob Männlein oder Weiblein – hat besagten Wackerstein nicht im Bauch, sondern in der Brust. 

Noch einmal am 21. Dezember im Wechselbad, aber es soll anderenorts weitergehen, hört man. Und diverse Festivals haben auch schon angeklopft. Gut so. 

Besucherfazit

Ein in solch perfekter Form noch nicht gesehenes Zusammenspiel aller eingesetzten Medien

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