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Livekritik zu

Bodyguard - Das Musical

25.11.2015 - 31.01.2017 | Köln [ Innenstadt ] / Musical Dome
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Tanja Piel
am 12.08.2016

Der Beginn war schon eine Wucht: In Reihe 6 nah am Lautsprecher und an der Bühne wurden wir förmlich weggepustet vom Bass und vom Feuertrahl, der aus dem Boden plötzlich spukte. Man fliegt fast aus seinem Sitzen wie bei einem Raketenstart. Ich mußte mir erstmal die Ohren zuhalten, so laut war es. Das war aber zum Glück nur am Anfang. Die Story, um die Liebesgeschichte zwischen dem Hollywoodstar und seinem Bodyguard, mal lieben sie sich, mal stoßen sie sich gegenseitig ab, war 1992 ein Kinorenner. Da ich den Film oft mit Taschentüchern gesehen hatte, war ich gespannt auf die Umsetzung im Musical.

Als Hauptdarstellerin verkörperte Patricia Meeden Rachel Marron. Auf dem Programm standen natürlich alle Originalsongs von Whitney Houston, die auf englisch gesungen werden. Die Texte konnten viele mitsingen. Nici wird von Nyassa Alberta dargestellt. Beim Duett mit Rachel in "Run to you", wenn die beiden Stimmen gegenüberstehen, merkt man, dass sie mehr Volumen und Kraft in der Stimme besitzt. Patricia fehlen Tiefe und Klangvolumen. Da Nyassa auch die Rachel der Rachel spielt, finde ich sie eine viel bessere Partie als Patricia. Da waren sich auch andere Zuschauer einig.

Bei Jürgen Fischer als Frank Farmer hat man echt den Eindruck Kevin Costner stehe auf der Bühne. Mit seinen tiefen Blicke und die Gestik gibt er der Figur Farmer seine eigene Persönlichkeit und Stil. Bei Nicki´s Gic im Club, als er Karaoke krumm und schief sing, bringt er das Publikum zum Lachen. Zum Glück werden wir damit verschont, wie auch Rachel im Laufe des Abends vermerkt (Einbeziehung des Publikums: Das du noch mal singst, wollen wir hier wohl alle nicht).

Dass im Musical die Handlung gekürzt wird ist klar. Mir fehlte mehr Dramatik auf der Bühne, als Rachel von Farmer im Club gerettet wird. Dabei kommt die Stalkingszene nicht deutlich genug zur Geltung. In "I have nothing " trägt Patricia ein zu braves Kostüm: Eine Art Leggings mit Glitzeroberteil und Turnschuhen. Nichts gegen das Outfit im Film. Der erste Teil endet natürlich mit dem ersten Kuss zwischen Rachel und Farmer. Nach der Pause finden sich Frank und Rachel im Bett. Eine Augenweide für die Frauen ;-)

Als sich Rachel mit ihrem Bodyguard zu einem Rendezvous verabreden möchte, sitzend auf dem Küchentisch, fehlte mir etwas die Natürlichkeit. Es kam etwas spitz rüber und die Wärme fehlte in der Stimme. Patricia Meeden lebt die Rolle nicht 100%ig. Als sie bei ihrer Frage die Beine in ihren Uggs verdreht, hat sie die Lacher auf der Seite.

Die Kostümausstattung ist einfach fanstastisch: Das rote Glitzerkleid in "I am every woman" , das nudefarbene Kleid bei der Oskarverleihung oder das tiefschwarze Kleid mit Federschleppe bei " I will always love you" fand ich am tollsten.

Bei der Oskarverleihung stehen am Rand neben dem Publikum unbemerkt Bodyguards, die einem das Gefühl vermitteln, live dabei zu sein. Der Schuss geht dann auch durch den halben Saal. Schützend wirft sich Farmer vor Rachel. Schnell endet diese Szene. Eine der eindrucksvollsten Szenen dieses Abends führt zu einem schnellen Ende. Alle warteten auf das berühmte Ende, als am Flughafen die Maschine stopt und es mit einem innigen Kuss endet. Hier verabschieden sich beide, jeder geht seinen Weg, der Song " I will always love you" ertönt aus dem Backstage Bereich. Dann endlich kommt sie in ihrem atemberaubenden Kleid in einer abgedunkelten Kulisse nach vorne, singt das Lied des Abends, während sie auf einer Ebene hochschwebt im Nebel. Was für ein Abschied! Eine Frau in der ersten Reihe sang (lauthals) mit. Der echte Fan eben.

Am Schluß kommt die ganze Kompanie noch mal auf die Bühne mit Saltos und tanzt zu "dance with somebody". Selbt Fletcher (Richard Agbonlahor) greift zum Mikrofon. Den Jungen haben alle in ihr Herz geschlossen, da er mit einer Natürlichkeit seine Rolle spielte, wie der Nachbarsjunge von nebenan. Nichts von Lampenfieber zu spüren.

Die Band wurde als Videostream aus dem Backstagebereich auf die Leinwand zum Schluss übertragen.

Lobenswert ist auch das Bühnenbild, das die Atmosphäre des Hauses, der Waldhütte und der Oskarnacht gut darstellte.

Es war ein unterhaltsamer Abend, der sich gelohnt hat. Man darf es nicht mit dem Film vergleichen, weil das Musical seine eigene Geschichte erzählt.

Ich würde nochmal reingehen.

Besucherfazit

Bodyguard: Gefühlvoll umgesetzt, tolle Show mit Come again Faktor!

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