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Livekritik zu

Schwabenhatz

10.10.2012 - 14.10.2012 | Berlin [ Charlottenburg ] / Vaganten Bühne
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Susanne Lang
am 11.10.2012

Auf der Bühne prangt ein "Schwaben raus!"-Graffiti - worum es bei dem (fast gleichnamigem) Theaterstück "Schwabenhatz" geht, ist also schon mal klar. In der Berliner Vagantenbühne feierte das Stück im Rahmen der Schwäbischen Kulturwoche ("Schwabiennale") Premiere. Der Zuschauerraum war bis auf den letzten Platz gefüllt, ins allgemeine Gemurmel mischten sich Fetzen schwäbischer Mundart, einige Zuschauer stärkten sich "no g'schwind" mit einer Brezn, bevor es los ging. Und schon fegt Putzfrau Gerda (Heike Kloss) durch den Raum - klar, "s'isch Kehrwoche" - und raunzt einen Zuschauer an: "Hoch mit de Fiaß!", gefolgt vom typisch-schwäbischen Gemecker über die Unsauberkeit und Unordentlichkeit in Berliner Mietshäusern und überhaupt - "Du räumsch' bschtimmt des Würschtle von deinem Hund au net weg, gell?!" Dann stürmen Demonstranten den Zuschauerraum - bewaffnet mit Trillerpfeife, Flüstertüte den Pappschildern mit so netten Sprüchen wie "Schwaben raus!", "Wir haben genug von euch!" und "Was wollt ihr hier?"

Heitere Revue mit Musik, Tanz und Comedy

Ein lauter Auftakt für eine Revue, die in 12 Episoden mit ironischen Seitenhieben, sarkastischen Untertönen, Musik, Gesang, Klischees rund um das Thema Berliner Schwabenhass kreist. Albert (Einstein) aus Ulm (Mattis Nolte), der so "g'schraubt daherschwätzt" geht dem "schwäbischen Mysterium" auf den Grund und führt durch die einzelnen Szenen - mal in der Rolle als Erzähler, mal als Akteur. Allerdings wirkt Mattis auf der Bühne ein bisschen steif, was aber womöglich dem Kontrast geschuldet ist,  den der Rest des Ensembles in punkto Spielfreude aufweist. Heike Kloss, Gideon Rapp und  Susanne Theil schlüpfen voller Leidenschaft in diverse Rollen und glänzen nicht nur im fliegenden Wechsel zwischen Berliner Schnauze und Schwäbisch-Schwätz.

Völkerverständigung mit Augenzwinkern

Warum hat Gott den Schwaben eigentlich erschaffen? Und woher rührt eigentlich der Hass in Berlin gegenüber den 300 000 Zugereisten aus dem Ländle? Geht es dabei nur um Neid? Schließlich investiert der geizige Schwabe sein Gespartes in Berliner Immobilien... Das Ganze wird mit einem gehörigen Augenzwinkern in kleine Sketch-Episoden gepackt, musikalisch und choreografisch untermalt - hier glänzt vor allem Heike Kloss. Rapp spielt sich mit seinem komödiantischen Talent sogleich in die Herzen der Zuschauer - herrlich sein "Adam" aus der Paradies-Szene oder seine Rolle in "Schwabe auf der Pirsch", als er eine schlagfertige Berlinerin mit Komplimenten über ihre "Äugle" und ihr "Näsle" bezirzen will, was ihm - gepaart mit seiner (vermeintlich) angeborener Sparsamkeit - letztendlich zum Verhängnis wird.

"Berlin hat  Angst vor Schwaben"

Die Zuschauer erfahren, warum Eva eine Schwäbin war, warum Berlin im Prinzip "Angst vor Schwaben" hat, wie mit der neuen Spezies der schwäbischen Berliner umzugehen ist und noch so einiges mehr. Ein Stück, das sowohl mit Vorurteilen aufräumt, sie aber auch mit einem liebevollen Augenzwinkern bestätigt. Ein heiteres Stück für Schwaben und für Berliner und für die Völkerverständigung. Das Premierenpublikum war begeistert!

Besucherfazit

Ein heiteres Stück für Schwaben und Berliner - mit Mehrwert!

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