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Livekritik zu

Close Your Eyes

28.02.2014 - 24.10.2014 | Bremen / Theater am Goetheplatz - Kleines Haus
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Sarah Maria
am 07.04.2014

Von dem Stück hat sich bei mir in erster Linie der viele, wirklich viele Kunstnebel eingebrannt. Der Nebel nahm dermaßen überhand, dass sich schon nach einer guten Viertelstunde ein durchaus respektabler Reizhusten im Publikum breit gemacht hatte. Das hielt die Dame oder den Herren am Regulator jedoch nicht davon ab weiter Stoff zu geben: Gnadenlos und bis zum bitteren Ende wurde der komplette Saal eingenebelt.

Leider! Muss man sagen, denn es wurde eine großartige Choreografie mit sinnstarken Bildern gezeigt. Samir Akika, Hauschoreograf des Bremer Theaters, hatte es sich zum Thema gemacht, Traumbilder zu erzählen, sie der Wirklichkeit entgegen zu halten: „Close your Eyes ist eine Erkundung der Relevanz des Irrationalen, eine Eroberung des Nutzlosen und eine getanzte Verlängerung der Träume“ (aus dem Programm).

Und genau das ist Samit Akika gelungen. Die Bilder waren im besten Sinne zugänglich und assoziativ. Ein schwingend-weiter Rock wurde mit gestreckten Armen nach oben gespannt und formte ein seidig schimmerndes Rad um das Gesicht, während die Mimik der Tänzerin sich zur Musik bewegte und langsam ins Absurde driftete. In einem anderen Bild pendelte das 6-köpfige Ensemble zwischen Willen und schlafender Ohnmacht hin und her. Sie bäumten sich auf, verschlungen sich ineinander wie Geschichten oder Erzählstränge, sanken dann aber im nächsten Moment ohne jede Körperspannung auf wild gestapelte Matratzen nieder.

Die Kostüme (Alexander Morales, Elena Ortega) waren alles in allem schlicht, setzten aber dennoch pointierte Marker. So waren z.B. die Slips aller Tänzer in Neonfarben und standen zu den sonst eher weiß/gräulichen Stoffen wie absurde Wendungen innerhalb einer Traumsequenz. Wie die Dinge, die in Träumen scheinbar nicht zusammenpassen, sich aber einer sehr persönlich-intimen Logik bedienen, welche so stark ist, dass sie über allen Mustern der Realität steht. Begleitet wurde dies von zwei Musikern (jayrope, Stefan Kirchhoff) mit Schlagzeug, E-Gitarre und Synthesizer vom Bühnenrand aus.

Das Stück gehört mit ca. 1,5h eher zu den Kürzeren. Dennoch muss ich leider sagen, dass ich es auch nicht wesentlich länger im Zuschauerraum ausgehalten hätte. Der viele, mehrfach pro Minute eingesetzte Kunstnebel hat es mir leider unmöglich gemacht in dem Stück zu versinken und in den Bildern mitzuschwingen. Ich hatte mit Kopfschmerzen, Atemproblemen und tränenden Augen zu kämpfen.

Allerdings. Und dies sei an dieser Stelle unbedingt hinzugefügt: In der Nacht habe ich wunderbar facettenreich geträumt. Ob’s nun an einer Überdosis Kunstnebel oder an der sinn-kitzelnden Choreografie lag, sei an dieser Stelle mal dahingestellt.

Besucherfazit

Wunderbar & absolut empfehlenswert - wenn da nicht der viele Kunstnebel gewesen wäre.

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