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Livekritik zu

Kein Spaß

08.03.2014 - 11.04.2014 | Dresden / Galerie m2a
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Ramona Ackermann
am 10.03.2014

Neue Ausstellung in Galerie M2A

Anette Schröter und Meisterklasse

Fünf Meisterschüler und ihre Professorin erfreuen mit ihren Arbeiten seit Samstag und noch bis zum 12. April das Auge des Betrachters.

Die meisterhaften Scherenschnitte der Professorin Annette Schröter sind mindestens seit 2008 der Kunstöffentlichkeit ein Begriff. Sie schneidet bestechend filigran und auf großen Formaten ganze Bild-Netze, deren Komposition spannungsvoll, ästhetisch schön und ausgewogen ist.

Doch im Verbund mit ihren Studenten tritt eine weitere Meisterschaft der sympathischen Mitfünfzigerin in Erscheinung: Die Kunst zu lehren ohne zu belehren, zu entwickeln und zugleich nicht eigene Ambitionen in den Vordergrund zu stellen.

Ihre Studenten wirken allesamt überraschend gut ausgebildet mit einem hoch entwickelten handwerklichen Können, einem deutlich künstlerischen Anspruch, einer überzeugenden Bildästhetik, Fleiß, Experimentierfreudigkeit und  Eigenständigkeit.

In der aktuellen Schau der Galerie etwa  besticht, durch die ausgewogene und geschickte Hängung unterstützt, eine großformatige Malerei der Japanerin  Yuka Kashihara  sofort das Auge. Es handelt sich um eine  raffinierte Lasurmalerei, die eine  sagenhafte Welt zeigt. Vor dem Betrachter öffnet sich die von einem Lichtschacht beleuchtete und von lichtdurchlässigen Wandungen umschlossen magisch- irdische Seenlandschaft wie die Offenbarung eines lange gehüteten Geheimnisses. Die phantasieanregende Ambivalenz des Gemäldes erinnert an die Möglichkeiten des 21. Jahrhunderts Innenraum-Oasen zu schaffen und zugleich an die Anderswelt, wie  sie in keltischen oder irischen Überlieferungen beschrieben ist. Die Malweise selbst verrät eine gelungene Synthese aus  traditioneller japanischer Landschaftsmalerei mit Tuschelasuren und europäischem Malereiverständnis. Was hier  gerade entsteht, ist eine einzigartige künstlerische Handschrift, die neugierig darauf werden lässt, was als Nächstes zu sehen sein wird.

Gleich daneben hängen drei rätselhaft schöne Pastelle von Benjamin Dittrich, die mit Planetenansichten aus dem All zu experimentieren scheinen und dabei nicht an bekannte Fotos erinnern, sondern bestechende kompositorisch-formale Spielereien sind, die das Auge und die Phantasie verlocken. Noch stärker erschien mir ein intensiv  durchgemusterter, vielgliedriger Linolschnitt, dessen Bildernetz  Abbildungen aus einem Astronomie-Atlas nachempfunden zu sein scheinen. Sein Bildtitel „Index“ assoziiert indessen, dass unser modernes astronomisches Wissen gerade eine durchschlagende Änderung erfährt, eine „kopernikanische Revolution“, die ebenso schwer wie damals in die Köpfe der Menschen gelangt, ähnlich intensiv auf Widerstand  stößt, Erkenntnisse und Thesen auf den Index setzt. Was kann zeitgemäßer sein, als sich mit künstlerischen Mitteln solchen kaum fassbaren Bildern und Modellzeichnungen zu nähern!

Ohne alle Bildangebote beschreibend vorweg nehmen zu wollen, sei noch auf Heinrich Mauersberger verwiesen, dessen bestechendes Können dem Betrachter das Gefühl gibt, einem wirklich großen Talent zu begegnen.

Die Schau der Galerie vereint aus meiner Sicht, was man sonst so oft vergeblich sucht: Können, Anspruch, Vielschichtigkeit und Fantasie. Daher kann ich einen Besuch nur von ganzem Herzen empfehlen! Lassen sie sich dann auch durch Arbeiten von Mona Broschár und Robert Schwark überraschen.

 

    

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