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Livekritik zu

Wassa Schelesnowa

12.05.2014 - 18.05.2015 | Berlin [ Mitte ] / Deutsches Theater Berlin
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Nicole Haarhoff
am 23.09.2014

Eine graue Halle, Metallstreben überall. Rechts und links zwei schnörkellose Kantinentische mit ebenso schnörkellosem und zweckmäßigem Geschirr. In der Mitte ein weiterer Tisch, der Esstisch und Mittelpunkt des Familienlebens. Er könnte auch in einer Fabrikhalle als Pausentisch dienen, so leblos und trist ist er. Aber um ihn herum knallt und kracht das Leben.

Auftritt Wassa Schelesnowa, die Matriarchin des Clans. Sie führt schon seit einigen Jahren mit straffen Zügeln das Familienunternehmen. Auch jetzt, während ihr Mann im Sterben liegt, ist sie Dreh- und Angelpunkt ihrer Familie. Da wäre Pawel, der verzweifelt und selbstzerstörisch an seiner Frau hängt, die zwar noch bei ihm, aber bereits längst weit fort ist. In seiner Rage mäht er beinahe alles um sich herum nieder. Sein Bruder dagegen, von der eigenen Mutter als fauler Nichtskönner bezeichnet, ist mit einer Klassenkämpferin verheiratet, die mal nach Revolution und dann wieder nach ihrem ihr vermeintlich zustehenden Erbe schreit. Der einzige Lichtblick für Wassa ist die lang ersehnte Ankunft ihrer Tochter Anna. Diese älteste Tochter, ausbezahlt, verheiratet, zwei Kinder, in der Ferne glücklich, hat sie zu ihrer Kämpferin, ihrer Retterin erkoren und hat all ihre Hoffnung in sie gesetzt. Diesem Anspruch kann diese, vor den Scherben ihrer Ehe stehend und so gut wie pleite, aber nicht gerecht werden. Wassa redet, manipuliert, verschwört sich, liebt verzweifelt und schreit wütend und versucht standhaft zu bleiben in diesem Kampf, der ihre Familie ist. Wie Haie schwimmen die Kinder um die Firma der Mutter, wittern auf den Tod des Vaters. Alle reden immer vom verlassen des Hauses, dieses schrecklichen Hauses, aber gehen will doch keiner.

Ich mochte die karge Ausstattung. Alles war auf Wassa und ihre Familie augerichtet, der Zerfall dieser Familie war alles, was auf der Bühne zählte. Jeder einzelne Schauspieler war großartig in seiner Rolle, besonders jedoch Katharina Marie Schubert als haltlose und flatterige Ehebrecherin und Christoph Franken als grausam abstoßender Sohn auf der Suche nach Mutterliebe. Aber über allen stand Corinna Harfouch als Wassa. Ob sie nun seelenruhig Tee kochend den faulen Semjon abwatscht oder ihre Tochter Anna verzweifelt anbrüllt, sie solle doch keine Angst vor ihr haben - sie ist großartig! Ein ungemein sehenswertes Stück.

Besucherfazit

Eine Familie zerstört sich brüllend, schreiend und sich windend selbst. Sehenswert!

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