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Livekritik zu

Geächtet

23.01.2016 - 27.03.2016 | Berlin / Theater und Komödie am Kurfürstendamm
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Nicole Haarhoff
am 29.01.2016

Mit "Eine Familie" habe ich vor kurzem im Theater am Kudamm ein Stück von Santinis Production gesehen, das mich restlos begeisterte. Eine familiäre Schlammschlacht vom Feinsten, die dem hochkarätig besetzten Hollywoodstreifen in nichts nachstand. Daher wartete ich auch voller Vorfreude auf den neusten Streich der Produktionsfirma. Im Vorfeld gab es einiges Chaos, sowohl der Regisseur als auch eine der Hauptdarstellerinnen wurden kurzfristig ausgetauscht. Trotzdem fand die heiß ersehnte Premiere termingerecht statt.

Im Gegensatz zu "Eine Familie", einem Stück, in das sich wohl jeder mehr oder weniger einfinden kann, spielt das Stück "Geächtet" in der New Yorker Upper Class, in die man etwas schwerer eintaucht. Hauptperson ist Amir Kapoor (Mehdi Moinzadeh), Rechtsanwalt bei einer prestigeträchtigen New Yorker Kanzlei. Er ist jung, gutaussehend, erfolgreich, lebt auf der Überholspur. Von seinen muslimischen Wurzeln hat er sich abgenabelt, bereits vor vielen Jahren. Er ist mit der Künstlerin Emily (Katja Sallay) verheiratet, die wiederum gerade über ihre Kunst durch eine Hintertür in den Islam eingetaucht ist. Sie interessiert sich auf eine sehr gefühlsbetonte, unkritische Art und Weise vor allem für die künstlerische Seite dieser Kultur.

Amirs Neffe Abe (Rauand Taleb), ein junger Hitzkopf, löst eigentlich alles Folgende aus. Er bittet Amir um seine Hilfe als Rechtsanwalt, es geht um einen von ihm bewunderten Iman, dem Spendensammeln für Terroristen vorgeworfen wird. Amir windet sich. Er ist kein Strafverteidiger mehr, er ist kein gläubiger Muslime mehr, was also soll er da tun? Abe und Emily überreden ihn aber schließlich und bringen damit einen Stein ins Rollen, der sie schließlich alle zu zermalmen droht.

Monate später, der Vorfall scheint vergessen, kommen Jory (Dela Dabulamanzi), eine Kollegin Amirs, und ihr Ehemann Isaac (Gunther Gillian), seinerseits ein Kurator und Kollege Emilys zum Abendessen. Es entladen sich mit Wucht alle Spannungen und Vorurteile, die unter einer dünnen, fragilen Schicht politischer Korrektheit in ihnen (und uns) allen lauern. Blitzschnell wird aus Gespräch Streit und aus Streit Kampf. Unaussprechliches wird gesagt und getan.

Insgesamt ein sehr aktueller und intellektueller Schlagabtausch. Nachdenklich machend. Nicht die übliche, leicht zu verdauende Theater am Kudamm-Kost, aber sehr sehenswert.

Besucherfazit

Brutaler Schlagabtausch in der New Yorker High Society.

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