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Livekritik zu

Das Verhör

03.03.2015 - 19.05.2016 | Berlin [ Friedrichshain ] / Berliner Kriminal Theater
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Nicole Haarhoff
am 06.03.2015

Es beginnt wie ein Gespräch unter guten Bekannten. Der erfolgreiche Rechtsanwalt Barklay (Ulrich Voß) betritt das Polizeipräsidium elegant gekleidet, er ist auf dem Weg zu einem Charity Event. Jovial wechselt er zunächst einige private Worte mit dem Chief Inspector (Thomas Gumpert). Man kennt sich. Und immerhin ist dies nur ein Gefallen seinerseits. Zehn Minuten, ein paar Verständnisfragen.

Denn Barklay hat am Vorabend bei einem Spaziergang eine grausige Entdeckung gemacht: im Stadtpark lag die Leiche eines kleinen Mädchens, eine Nachbarstochter. Natürlich war Barklay sofort nach Hause gestürzt und hatte die Polizei alarmiert. Und die hat nun ein paar kleine Fragen. Wo ist zum Beispiel der ominöse Hund, mit dem Barklay angibt, einen Spaziergang gemacht zu haben? Und warum rief Barklay nicht sofort den Notruf? Wieso duschte er erst in aller Seelenruhe? Der Chief Inspector und der ebenfalls anwesende, schnell aufbrausende Sergeant Hastings (Mario Krüger), haken immer wieder nach und der zunächst so selbstsichere und seelenruhige Barklay wird immer fahriger.

Er schwankt zwischen Wut und Verzweiflung, zwischen Hass und Reue. Und als seine um viele Jahre jüngere Frau Lilian (Heide Domanowski) auftaucht, kommen weitere Wahrheiten ans Licht, die er lieber für immer vergraben hätte.

Das Bühnenbild ist einfach, aber dafür umso wirksamer, auf zwei Bildschirmen, rechts und links, kann man jeweils die Gesichter der Kontrahenten sehen, die man sonst meist von der Seite sieht, weil sie sich am Tisch gegenüber sitzen. Man sieht die wie in Stein gemeißelte kalte Wut des Chief Inspectors wenn er über die Morde spricht, dann wieder das zunächst glatte und dann immer zerfurchtere Mienenspiel des Rechtsanwalts Barklay. Ulrich Voß ist eindeutig der Star des Abends, bei diesem Kammerspiel seinen Weg zu beobachten, von diesem großen, stattlichen Mann, der den Raum betritt und ihn beherrscht bis zum fahrig-nervös Zitternden, verwirrt und mitleidheischend, voller Angst. Großartig!

Tolles Stück! Kein Actionfeuerwerk, keine Lachsalven, aber ein ruhiger, stark gespielter Fall ins Bodenlose, dem man gebannt zuschaut.

 

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Kammerspiel um zwei unnachgiebige Männer mit einem starken Ulrich Voß

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