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Livekritik zu

Schizo!

29.10.2013 - 30.10.2013 | Berlin [ Kreuzberg ] / Ballhaus Naunynstrasse
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Mig Bogdoll
am 07.11.2013

Verrückte. Bekloppte. Gestörte - so und noch anders nennen wir die Menschen, die in einer Psychiatrie oder ähnlichen Einrichtungen für bestimmte Zeit leben. Dabei gibt es viele ernste Ursachen, warum man auf einer dieser Stationen landen kann. Ein Grund dafür ist das menschliche Umfeld, denn es muss etwas bedeuten, wenn es "da draußen nicht mehr geht", aber auf der psychiatrischen Station, oder ist das falsch? Nicht umsonst ist das Burn-Out-Syndrom, das wohl breitgeredetste Thema seit mindestens 2011, die Volkskrankheit der Deutschen schlechthin. SCHIZO! ist ein Jugendtheaterstück (aktuell im Ballhaus Naunynstraße gespielt), welches sich mit den Gründen für psychische Störungen, mit Ängsten und mit dem Umgang der betroffenen Jugendlichen auseinandersetzt. Außerdem stellt sich die kritische und sich immer wiederholende Frage in unserer Gesellschaft: Wer von uns ist denn nun eigentlich normal?

 

Die Jugendlichen der Theatergruppe "akademie der autodidakten" sind alle sehr gute Schauspieler, keine Frage. Allerdings bekommt man während des Stücks erst nach und nach mit, dass sie sich in die Rolle eines Patienten einfühlen. Das ist mit Sicherheit sehr schwierig, aber als Zuschauer möchte man gern von Anfang an verstehen, welche Charaktere es gibt und warum sie sich wie verhalten. Dass sie einige Interviews mit Ärzten und Jugendlichen psychischer Erkrankung durchgeführt sowie sich den Alltag einer solchen Klinikeinrichtung angesehen haben, bemerkt man hingegen auf den ersten Blick. Besonders deutlich, und teilweise viel zu übertrieben dargestellt, werden extreme Situationen. Wenn du also eine Panikattacke hast oder total außer Kontrolle gerätst, so kommst du auf ein Fix-Bett. Fühlt sich das eine Mädchen zu dick und macht aus diesem Grund ununterbrochen Sport, isst das andere kaum ein ganzes Brötchen am Tag. Das führt zu Neid. "Die soll gefälligst sofort eine Magen-Sonde bekommen!", wird dann laut gebrüllt. Das experimentelle Theatralische wurde sehr gut durchdacht! Mit Klebeband Römische Zahlen von eins bis zehn auf den Fußboden angebracht, lässt sich ganz einfach das Spiel spielen: "Ich fühle mich (einsam)". Jeder der Patienten darf sich dann selbst zuordnen zu jeder gestellten Frage. Das ist dann so wie eine therapeutische Befragung, wirklich gut umgesetzt! Singen und rappen können die Darsteller ebenso, das haben sie bewiesen als sie davon erzählen, dass dieser Klinikaufenthalt ihnen vielleicht gar nichts bringt, denn letztendlich sei sowieso alles wie vorher. "Was sind denn Ihre Pläne?" - "Mal wieder richtig heulen, das wär geil!" Manchmal ist damit auch schon geholfen, und dann hat man sogar Lust, mit all den anderen Verrückten Wahrheit oder Pflicht zu spielen, um die Traumfrau endlich zu küssen!

In der Psychiatrie haben alle dasselbe Leid und genau das verbindet sie. Das macht alle gemeinsam stark daran zu glauben, irgendwann auch wieder entlassen zu sein. Vieles in dem Stück wird sehr ins Lächerliche gezogen oder zu übertrieben dargeboten, trotzdem ist es ein realitätsnaher Einblick in den Alltag in einer Klinik.

"Glücklich ist man, wenn man sich dazu entscheidet, glücklich zu sein!"

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So viel Action gibt es nicht wirklich in einer Psychiatrie. Trotzdem sehenswert!

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