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Livekritik zu

Nneka live in Hamburg

10.04.2015 | Hamburg [ Altona ] / Fabrik (Altona)
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Marylennyfee Schmidt
am 20.04.2015

Hamburg Ottensen: In dem rustikal-industriellem Ambiente der Fabrik drängen sich ab 21 Uhr entspannte Leute mit Bierbechern um die Bühne. Der rappende African Boy heizt dem Teil der Menge ein, der nicht unentschlossen umherzieht oder in der Schlange vor den Getränkeausgaben steht. Irgendwann der Bühnenumbau, ein Raunen geht durch die Menge und plötzlich steht sie dort, wie eine zierliche Mischung aus madonnenhafter Ikone und Momo die scheinbare Widersprüche vereint und trotz sanfter Ausstrahlung unglaublich stark und kämpferisch entschlossen wirkt. Inmitten ihrer Jungs geht es erst sehr gefasst, beinahe verbissen los, was der Qualität der Musik keinen Abbruch tut.

„ Book of Job“ sorgt für einen energievollen Einstieg mit leichten Reggae-Rythmen. Zwischendurch wendet sie sich ans Publikum mit der Botschaft“ Wake up“, um auf politische und menschliche Missstände sowie Ungerechtigkeit in der Welt aufmerksam zu machen.

Nicht militant, sondern durch die Kraft der Liebe mit der Musik als Sprachrohr.

Die vielseitige Stimme stets unterstützt durch Gesten und unterstützend angedeutetes Marschieren auf der Bühne, wobei ihre unterschiedlich farbigen Socken sichtbar werden, welche an die rothaarige Hauptfigur einer  beliebten schwedischen Kinderbuchautorin erinnern.  „ Walking“ ist etwas Hip-Hop-lastiger und wird abgelöst von dem jazzig-rockigen „ Babylon“. Zwischenzeitlich wurde das verhüllende Kopftuch abgelegt und der Blick frei auf Nnekas zerbrechliche Figur, die in großen Boyfriend-Klamotten steckt.

Einige Songs werden in die Länge gezogen und neu interpretiert, so dass das Konzert an eine emotionale Jamsession erinnert, die den Zuschauer Teil von etwas Großartigem werden lässt und die Alltagshektik draußen verblasst. Dafür mit verantwortlich sind die Jungs auf der Bühne, die Nneka musikalisch unterstützen und herausfordern, instrumentell und gesanglich. Pulsierende Energie und emotionale Grenzgefilde  wechseln sich abrupt und doch harmonisch ab. Nneka besingt die Liebe, ab dem fünften Song fließen bei vielen, auch männlichen Fans, die Tränen ( ohne verstohlen abgewischt zu werden). Die Stimmung wird anschließend von dem euphorischen Ohrwurm „Local Champion“ wieder aufgefangen und die Menge zum Tanzen angeregt. Im Anschluss wieder ruhigere Töne, bis ihr 2008 erfolgreicher Hit“ Heartbeat“ durch die Halle tönt.

Spätestens jetzt sind auch die Skeptiker mitgerissen und müssen sich bewegen und fallen lassen.

Die nigerianische Sängerin geht durch Mark und Bein im positiven Sinne und schafft es, zumindest für einen Abend , alles zu einem energiespendendem Gesamtgefüge verschmelzen zu lassen. Ihre Ausstrahlung wird immer weicher und für zwei Stunden pulsieren Musik, Wehmut, Stolz, besungener Schmerz und aufrichtige Liebe durch die Fabrik. Das Zeitgefühl verschwindet und holt einen erst ein, als die Band kurz die Bühne verlässt. Als erste Zugabe kommt „ My love“, danach wird der Zuschauer mit „ Pray for you“ in den Abend entlassen.

Draußen angekommen, flirrt die Luft von dem Nachhall der vibrierenden Energie.

Nneka hat es geschafft, die zuvor gesuchte und besungene Liebe- zumindest für einen Abend- selbst zu erzeugen und scheinbare Grenzen verschwinden lassen.

Besucherfazit

Nneka schafft es, die zuvor wehmütig besungene Liebe für einen Abend selbst zu erzeugen!

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