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Livekritik zu

Lesung Martin Krist. Drecksspiel

16.10.2013 - 23.11.2013 | Berlin, Reinickendorf
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Maja Schwarz
am 24.10.2013

Ein Mann, drei Autoren und eine wundervoll dreckige Hauptstadt

 

Wenn man Krimis nicht mag, dann ist man nach dem sonntäglichen Tatort eigentlich schon überfüttert. Sich dann noch einen Thriller in derselben Woche vorzunehmen, mag so überambitioniert erscheinen wie Joschka Fischers Marathonteilnahme vor seinem langen Lauf zu sich selbst.

Nun, Martin Krist belehrt uns eines Besseren. Am Dienstagabend hat er in der Buchhandlung „totsicher“ im Berliner Stadtteil Lichtenberg aus seinem aktuellen Roman „Drecksspiel“ gelesen, und obwohl ich mir anfangs nicht ganz sicher war, ob mir das gefallen würde, so war ich am Ende doch beeindruckt – und gefesselt. Etwa so wie Hannah, eine der Figuren im Buch.

Von denen stellte Martin Krist während der Lesung zwei vor – eben Hannah, junge Mutter, die eben noch an ein abenteuerlich-romantisches Wochenende mit ihrem Mann glaubt, aus dieser Idylle aber jäh herausgerissen wird. Und wir treffen Toni – zwielichtig, stolpert eben aus dem Zimmer einer jungen Prostituierten, bevor er vor dem Bordell von zwei Muskelprotzen zusammen geschlagen wird. Er kann fliehen, und wandert am Kottbusser Tor entlang, wo ein „bedrönter Junkie in ihn hineinstolpert“. Man mag in Toni schon den armen Bösewicht vermuten, doch dann wendet sich das Blatt – und Martin Krist, der Autor, lehnt sich zurück. Keineswegs jedoch, um als Schöpfer der Geschichte nachzulassen, sondern vielmehr, um Tobias Kluckert das Wort zu überlassen. Der nämlich hat das Hörbuch zu „Drecksspiel“ eingelesen. Die Synchronstimme von Bradley Cooper und Gerard Butler fesselt; wenn Krists Thriller allein schon spannend ist, dann ist sie es in der Hörbuchversion noch 1000 Mal mehr.

Wenn man ein Manko bei Krist finden mag, dann wohl, dass er einen Ticken zu schnell liest – aber das kleine Defizit seiner Hörbuchstimme macht er mit seinem Auftreten wett. In Chucks sitzt er vor dem Publikum im „totsicher“ (eine Marotte, wie sie auch der großartige T.C. Boyle pflegt), die tätowierten Arme als Markenzeichen. So schnell er liest, so schnell sind wir auch in den Bahn des „Drecksspiels“ gezogen, und verlieren uns in der Dreckigkeit Berlins, auf Tonis Spuren vom Kottbusser über‘s Frankurter Tor zum Tatort ins Bordell. Martin Krist beschreibt Berlin in seiner wunderbaren Dreckigkeit, zeichnet Spätläden, Dönerstände und Gewalt nach – und ist mit Recht drei Autoren in einer Person. Wer wissen will, unter welchen anderen Namen Krist schreibt, der wird auf seiner Homepage fündig. Die nächste Gelegenheit, Martin Krist persönlich zu treffen, gibt es im Rahmen des Berliner Krimimarathons im November – totsicher eine fesselnde Lesung. 

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