Overlay
Livekritik zu

For the disconnected Child

14.06.2013 - 30.06.2013 | Berlin / Schaubühne am Lehniner Platz
« zurück zur Veranstaltungsseite
KULTURA-EXTRA
am 18.06.2013

von Andre Sokolowski

17. Juni 2013 - Staatsoper Unter den Linden / Schaubühne am Lehniner Platz
FOR THE DISCONNECTED CHILD
Ein Projekt von Falk Richter

Elena Winter als erkaltete und skypende Karrierefrau

Falk Richter - intellektuelle Insider-Instanz - hat ein Projekt zur diesjährigen INFEKTION!, dem Festival für Neues Musiktheater, beigesteuert. Es ist jetzt als Koproduktion zwischen Staatsoper und Schaubühne Berlin entstanden und im Hause am Lehniner Platz uraufgeführt worden - heißt For the Disconnected Child.

Der 44jährige Projektant - der unter anderem bei Jürgen Flimm Schauspielregie studierte und seit 2006 einer der Hausautoren Thomas Ostermeiers ist; seine Texte liegen in mehr als 25 Sprachen vor; beim Fischer Verlag hat er ein Dutzend Stücke unter Vertrag - ermunterte/verpflichtete gleich sieben Komponisten, dass sie für das oben Angezeigte Eigenbeiträge (zumeist zu Richters eignen Texten!) lieferten. Selbige finden wir auf einem Beipackzettel, den uns dankenswerter Weise die Berliner Schaubühne vor Vorstellungsbeginn gratis aushändigte und wo genau zu lesen steht, wer was dann eigentlich zu welchem Thema oder so verfasst sprich komponiert hatte; aus 24 Einzelnummern setzt sich For the Disconnected Child zusammen. Und es sind zudem drei Dramaturgen (s. u.) ausgewiesen, die das Alles dann zusammenzurren sollten oder wie...

Die "Klammer" bildet die Tschaikowski-Oper Eugen Onegin:

"Darin offenbart Tatjana dem Mann, dem sie für den Rest ihres Lebens nah sein will, in einem Brief ihr Innerstes – und wird von ihm zurückgewiesen, seine Freiheit will Onegin nicht aufgeben. Falk Richters Figuren schauen auf die romantische Oper wie auf ein Museumsexponat: berührt, aber ratlos. Alleinerziehende Mütter, ehrgeizige Assessmentcenter-Managerinnen, verständnisvolle Beziehungscoaches, auf den großen Auftritt wartende Gesangsdoubles, gestresste Praktikanten und ein Mann, der so nicht weiter leben kann: Wie Eugen Onegin sind sie ewig Suchende. Nach Nähe, Erfolg, nach Rausch, Intensität und Erfüllung. Wie Onegin taumeln sie rastlos von Gelegenheit zu Gelegenheit, suchen, finden, verfehlen einander und ertrinken in einer Flut unendlicher Möglichkeiten." (Quelle: Staatsoper im Schiller Theater)

Auf den Punkt gebracht geht es darum, dass sich der Mann/die Männer vom geschmeißfliegenden Sentiment der Frau/der Frauen rüstet/rüsten muss/müssen, um unbeschadet (von der Frau/den Frauen) seinen/ihren Weg (des Mannes/der Männer) gehen zu können - eine optimistisch-maskulinische Idee.

Selbstredend - was der Richter folgerichtig weiß und mittels seiner Texte deutlich aufzudecken in der Lage ist; er hat also den rechten Zeigefinger mitten in der Allgemeinwunde Gesellschaft stecken - klappt das Alles (s. o.) nicht so reibungslos in einem Staatsgebilde, was da ganz und gar auf die Familie (= Papa, Mama, Kind) abzielte. Und als abschreckendes Protobeispiel führt er uns die Liebesleidgeschichte von Elena Winter, einer Personalprofilbeauftragten in irgend so 'ner neuartig-neumodischen Scheißfirma, wo sie neben der Alleinerziehung ihrer beiden Kinder einem workoholig-anmutenden Fronjob nachgeht, vor (die Rolle wird genial gespielt/gesprochen von Ursina Lardi), um an ihr alle nur möglichen Klischees der beispielsweise unvermittelbaren und alleinstehenden Akademikerin um die 40 rum genüsslich abzuleiern - ja, auf derartige Sichten kann schlussendlich nur ein Mann (auch um die 40 rum) gelangen, der dann meint, "sein" kleiner, engstirniger Intellektuellenkosmos würde irgendwie für irgend etwas stellvertretend sein - - die einfache(re) Quintessenz ist freilich die, dass (Binsenweisheit!) niemals nie Frauen und Männer je zusammenpassten; Frauen (= die Tantjana's) wollen immer Männern (= den Onegin's) erstens Briefe schreiben, zweitens Rückbriefe erhalten, drittens (falls Tatjana's die Onegin's kriegten) kontrollieren und besitzen. Meint der Mann!!

Auch geht es um fatale (Vereinsamungs-)Folgen unseres Medienzeitalters; Chatten, Skypen, Facebook, Twitter... alles das.

Die Mutter der Zentralfigur (genial gespielt/gesungen vom Staatsopern-Altstar Borjana Mateewa [die hatte ich bereits als kleiner Junge in der Lindenoper oft gesehen und gehört]) hat einen scheinbar "abgerissenen" Kontakt zu ihrer Tochter; und die Tochter würde ihre Mutter jetzt in dieser für sie allerhöchsten Not à la 'Was ist es bloß, dass mich kein Mann mehr will oder nie wollte' zwingend brauchen; doch die einzige (noch) lebende Bezugsperson ist weit, weit weg.

Um diese (Klein-)Handlung herum nur lauter Allgemeinplatz-Varianten von und mit noch Anderen. Gespielt, gesungen und getanzt.

Maraike Schröter und Gyula Orendt treten verschiedentlich als Paar Tatjana & Onegin auf; singen gut und schön!

Songwriter und Songleader Helgi Hrafn Jónsson gibt hübsche Lagerfeuerlieder hochsentimental zum Besten. Doch zum Stückschluss hin entpuppt er sich nicht unauffällig zu 'ner Nervensäge allerersten Grades; die verstörten Mienen einiger der Mitglieder der Staatskapelle Berlin, welche rechts außen "neben ihm" verweilten und den elektronisch verstärkten Krach auf sich ergehen lassen mussten, hatten einen Grad an Aussage, der außerordentlich spezifisch war.

Gehaltlos-eintöniger, unergiebig-penetranter Pseudo-Psycho-Misch-Masch.

Diese Rezension wurde am 18. Juni auf KULTURA-EXTRA veröffentlicht.

Besucherfazit

na ja

Bewertung

  • Fazit
4 Personen fanden diese Livekritik hilfreich.
Konnte Ihnen diese Livekritik helfen?
Ja

Kommentare

Leserfazit: na ja.

Ganz schön viel Allgemeinplatz-Misch-Masch. Ansonsten kommen wir ja zu ähnlichen Ergebnissen. http://www.livekritik.de/livekritiken/livekritik-von-stefan-bock-5/ Im Zweifelsfall den Daumen aber nicht allzu tief sinken lassen.

Ähnliche Veranstaltungen in der Nähe

Zuletzt aktive Livekritiker

  • Ina Finchen
  • Theater o.N.
  • Arne
  • Silke Liria Blumbach
  • Elena Artemenko
  • Tanja Piel
  • Erzählung
  • Esther Barth
  • Odile Swan
  • Dresdner Kabarett Breschke und Schuch
  • nikolausstein
  • Ella Görner
  • Iris Gutheil
  • Juliane Wünsche
  • Sarah Dickel
  • Marylennyfee Schmidt
  • MartinDoeringer
  • Stephan Baresel
  • poy
  • Nicole Haarhoff
  • Aberabends

Für Freikarten und Kulturtipps

Andere Besucher interessierte auch

Machen Sie mit

Kultur erleben

  • Erhalten Sie Informationen zu Veranstaltungen, die Sie wirklich interessieren.
  • Austauschen mit anderen Livekritikern.
  • Gewinnen Sie Freikarten.
Jetzt kostenlos registrieren!