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Livekritik zu

Die Ratten

29.11.2014 - 23.01.2015 | Düsseldorf / Schauspielhaus (Großes Haus) Düsseldorf
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KULTURA-EXTRA
am 02.12.2014

Hauptmanns Ratten werden heutzutage gar nicht mal so unoft aufgeführt. In einem Land, wo scheinbar Milch & Honig fließen (denn so sehen es zumeist "die Anderen" um unser schönes deutsches Wolkenkuckucksheim herum - deswegen [bös-zynischer Einwurf] kommen ja "so Viele" aus der ganzen Welt zu uns), gähnt freilich auch ein Abgrund. Das Sozialgefälle also ist vorhanden, ja und ein paar Straßenzüge unweit der beschaulich- ausschauenden Milch & Honig-Häuser resp. Villen und "Paläste" fristet irgendeine unscheinbare Minderheit in milch- und honigsau'ren Plattenbauten resp. abbruchreifen "Hütten" sein absonderliches Dasein - - was ist los in Deutschland?! 

"In Nordrhein-Westfalen hat jede fünfte Familie mit minderjährigen Kindern nur ein Elternteil - und das sind vor allem Frauen. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes lebten in NRW im Jahr 2011 rund 345.000 alleinerziehende Mütter und Väter mit Kindern unter 18 Jahren zusammen", wird im Programmhefttext Die Welt kompakt v. 11.11.2014 zitiert. 

Damit das somit klar und auch vorausgesetzt ist: 

Mütter (meistens mehr als Väter), die alleinerziehend sind, hatten und haben es nicht leicht! 

Deswegen hatte/hat sich auch Regisseur Volker Lösch [von ihm gabs Hauptmanns Weber in der legendär gewordenen und preisgekrönten Dresdner Inszenierung von vor über sieben Jahren] einen Chor der alleinerziehenden Mütter aus Düsseldorf zusammenstellen oder kommen lassen; und die 16 Power-Frauen [Namen s.u.] - die man(n ) sonach als "Betroffene" bezeichnen muss - bestimmen und bestreiten den von uns erlebten 2stündigen bunten Abend zu dem obig aufgeführten Themenkreis. 

Es geht sehr turbulent und zügig zu; der zweigleisig verlaufende und irgendwie doch kompliziert anmutende Konstrukt von Gerhart Hauptmann (mit 'ner Über- und 'ner Unter-Handlung) wird durchs lustvoll und mit sehr viel Leidenschaft, Humor und Anstand (!) Her-Agierte einfach wett gemacht; und selbstverständlich bleibt dann auch vom eigentlichen Hauptmann-Stück außer dem Unterhandlungs-Grundplot nicht viel mehr dann übrig: Claudia Hübbecker (als die Frau John) kauft Anna Kubin (als Paulina Piperkarcka) deren Stückkind ab, und als die's wieder haben will, lässt sie sie durch Lutz Wessel (als Paul John) bzw. Edgar Eckert (Bruno) umbringen und, nach noch unauflösbareren weiteren Konflikten, tötet sie sich selbst und "ihr" Kind, glaub' ich, obendrein dazu o.s.ä. - - völlig wurscht!! 

Rainer Galke (als Herr Hassenreuter) und Urs Peter Halter (als Erich Spitta) sind die zwei Protagonisten jener Über-Handlung. 

Wie heißt es hierzu im Web - der "Hauptmann scheint sich mit den beiden Figuren Harro Hassenreuter und Erich Spitta als Alter Egos in das Stück hineingeschrieben zu haben: Die beiden Künstler streiten über ihre verschiedenen Theaterauffassungen, Idealismus oder Naturalismus, oder anders gefragt: Wie lässt sich heute die Geschichte der Mutterfigur John angemessen interpretieren und darstellen?" Oder auch bloß: "Echte Dramen sind immer Gegenwart!" (Quelle: duesseldorfer-schauspielhaus.de) 

Christoph Jöde hat dem stolzen Frauenchor gewaltig-eindrucksvolle Sprechkaskaden abgeluchst. Das wirkte stark und hundsgemein - am Mann an sich blieb letztlich (außer seinem liebsten Stück) nicht viel mehr übrig; schuld allein ist er!! Das wird den Mega-Machos unter'm großteils hochbetagten Publikum gewisslich "auf die Eier" gegangen sein, ist zu vermuten. 

Wahr und lustig war das Alles allemal. 

Erstveröffentlicht am 2. Dezember 2014 auf KULTURA-EXTRA
von Andre Sokolowski 

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Alleinerziehensmütter-Spektakel

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