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Livekritik zu

Die Kommandeuse

26.09.2013 | Hamburg [ Mitte ] / Hamburger Sprechwerk
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kristina.ei
am 02.10.2013

Gilla Cremer zeigte am gestrigen Abend auf Einladung ihr Stück "Die Kommandeuse - Psychogramm einer Nazi-Täterin" im Hamburger Sprechwerk. Das Haus war gut besucht und besonders darüber freut sich die Schauspielerin und bedankt sich für das zahlreiche Erscheinen im Nachhinein. Sie kündigt außerdem weitere Ihrer Gastspiele im Hamburger Sprechwerk an - unter anderem "Vater hat Lager - Die Erlebnisse eines KZ-Häftlings aus der Sicht seiner Tochter" am 23. Oktober 2013, 20 Uhr. Nach gestriger Vorstellung kann auch ich den Besuch ihrer Stücke nur wärmstens empfehlen.

"Die Kommandeuse" bietet sicherlich in keinster Weise Stoff für amüsierende Unterhaltung. Das Stück ist ehrlich, hart und konfrontiert den Zuschauer mit einer oftmals unbedachten Perspektive aus diesem Abschnitt unserer Geschichte.

Gilla Cremer steht alleine auf der Bühne, Bühnenbild oder Requisite steht ihr nicht zur Verfügung. Aber es reicht Kleid, Mantel, Stiefel und eine Reitgerte, um das Leben der Margarete Ilse Koch, geb. Köhler nachzuzeichnen.

Als Ehefrau des KZ-Buchenwald Kommandanten Karl Koch lebt sie in Sichtweite des Lagers und ist nicht nur Zeugin, sondern macht sich auch zur Mittäterin. Nach Kriegsende zeigt sie sich als Opfer. Mehrere Strafverfahren werden gegen sie eröffnet und wieder adacta gelegt, um andernorts wieder aufgenommen zu werden. Schließlich erlöst oder entzieht sie sich ihrer Verantwortung selbst durch Erhängen.

Gilla Cremer durchläuft sämtliche Stadien an Gemütszuständen, zieht mit ihrer Stimmgewalt und ganzen Wirkung den Zuschauer in ihren Bann und schafft es so die zur Off-Bühne umgebaute Fabrikhalle des Hamburger Sprechwerks mehr als zu füllen. Nur zwei aus der ersten Reihe scheint sie nicht erreichen zu können, so dass diese den Saal vorzeitig verlassen.

Es gibt keine Pause und ich denke, das ist auch gut so, denn eine Unterbrechung der Handlung gäbe eventuell den Anlass zur Flucht, denn das Stück ist emotional sehr anstrengend.

Dass sie sich auch nach Ende des Stücks direkt an das Publikum wendet, hat - zumindest für mich - eine sehr positive Wirkung. Nicht nur ist dies Anlass für sie, Werbung für ihre nächsten Gastspiele im Hamburger Sprechwerk zu machen, allem voran nutzt sie diese Gelegenheit, um das Stück und die darin behandelte beschwerliche Thematik zu rechtfertigen. Es ist wichtig, sich zu erinnern, denn "der Wind von Buchenwald" hallt auf ewig nach...

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"Der Wind von Buchenwald" hallt auf ewig nach...

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