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Livekritik zu

German Pop

06.11.2014 - 08.02.2015 | Frankfurt am Main / Schirn Kunsthalle Frankfurt
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Katja Marquardt
am 15.12.2014

Die amerikanische Pop-Art kennt jeder. Doch es gab in den 1960er Jahren auch in der deutschen Kunst eine Pop-Welle. Sie lässt sich den Städten Düsseldorf als Ausgangspunkt, Berlin, Frankfurt und München zuordnen, und so ist auch die Ausstellung in der Frankfurter Schirn Kunsthalle raumweise unterteilt. Die „German Pop-Art“ begann 1963 in einer ehemaligen Düsseldorfer Metzgerei – in ihrem Kontext verwendete Gerhard Richter auch zum ersten Mal den Begriff „German Pop“.

Die Schau zeigt Exponate von 34 Künstlern, unter ihnen Christa Dichgans, Sigmar Polke, Manfred Kuttner, Gerhard Richter oder Konrad Klapheck. Vor allem Gemälde, aber auch Installationen, Collagen, Filme oder Dokumentationsmaterialien sind dort zu sehen. In der Schirn findet man das für die Pop-Art Typische: Alltagsgegenstände, Banales, Skurriles, Buntes, Konsumkritik, Reproduzierbarkeit. Wenige Kunstwerke sind offensichtlich politisch wie der Lippenstiftbomber und das Porträt Rudi Dutschkes von Wolf Vostell oder die „Nürnberger Orgie“ mit sich automatisch hebendem Hitlergruß der Frankfurters Thomas Bayrle.

Neon im biederen Nachkriegsdeutschland

Auch ohne explizite politische Statements wird das biedere Nachkriegsdeutschland, das sich um Konsum, Mode und Kleinbürgerlichkeit drehte, kritisch unter die Lupe genommen: etwa in Form der wimmelbildähnlichen „Ajax“-Box mit den auf Knopfdruck Schrubber schwingenden Hausfrauen – im Gleichschritt. Die deutsche Pop-Art war mitunter auch grell: zum Beispiel die mit Neon-Farben angesprühte Schreibmaschine von Manfred Kuttner oder ein knallpinker Matratzenrost. Neon, damals war das etwas völlig Neuartiges. 

Viele Werke in der Frankfurter Ausstellung wirken dabei jedoch irgendwie provinziell, amateurhaft: Ist das einfach ein erstes Herumexperimentieren mit einer neuen Kunstform? Sollten die Kunstwerke nicht ästhetisch-schön sein - wie bei seinem amerikanischen Ableger? Oder sind einfach zahlreiche der ausgestellten Künstler zu Recht wieder in Vergessenheit geraten? Das Etikett „Pop-Art“ wirkt klar als Publikumsmagnet, allerdings sind die Übergänge zu  anderen Kunstrichtungen wie Fluxus zudem sicher fließend.

Renitente Kunst mit fehlendem Glamour

Der Schau gelingt es aber andererseits zu zeigen, dass Deutschland seine ganz eigene Pop-Art hatte und nicht nur den amerikanischen Stil kopierte. Die deutsche Pop-Kunst ist spürbar von den Beklemmungen und der Verklemmtheit der Nachkriegszeit durchdrungen. Das aufgeschlagene Gästebuch einer Münchner Pop-Art-Ausstellung zeigt unmissverständlich, was eine Vielzahl der Deutschen in den 60er und 70er Jahren von dieser neuen provokativen Kunstform hielt.

Auf den ersten Blick enttäuscht die Ausstellung, die auch recht klein ist, leider ein wenig. Das mag unter anderem am fehlenden Glamour der deutschen Pop-Art liegen. Beschäftigt man sich jedoch mit den Umständen und Hintergründen dieser Kunstepoche, gewinnt die Ausstellung erheblich. Doch welcher Ausstellungsbesucher macht das schon im Nachgang? Eine begleitende Führung könnte durchaus hilfreich sein.

Besucherfazit

Deutsche Pop-Art? Na klar! Die Schau bleibt aber hinter den geweckten Erwartungen zurück.

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