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Livekritik zu

Schleswig Holstein Musikfestival 2015

11.07.2015 - 30.08.2015 | Lübeck / Schleswig Holstein Musikfestival
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A.-K. Iwersen
am 21.08.2015

Unter anderem unter dem Schlagwort „Edith Piaf zum 100. Geburtstag“ – der am 19. Dezember sein wird – fand, im Rahmen des Schleswig Holstein Musikfestivals, die „Nuit de la Chanson“ auf dem Gut Pronsdorf statt. Ergebnis: eine eigenwillige und disharmonische Bespaßung für die, die von Chanson wenig verstehen.

Den ersten Teil des Abends bestritt Vasiliki Roussi mit ihrem Ensemble zum Thema „Edith Piaf“, ein Programm, das wohl aus der im Theater Lübeck gelaufenen Pit Holzwarth-Inszenierung „Edith Piaf“ zusammengeschnipselt war. Vasiliki Roussi trat teils als Edith Piaf, teils als Kommentatorin auf. Man hätte wahrscheinlich schon bei der Ankündigung als „Ein szenischer Chansonabend zum 100. Geburtstag von Edith Piaf“ stutzig werden müssen, aber als Piaf-Fan überliest man gerne auch mal die Details.

Der Bühnendekoration mangelte es, obschon gar nicht opulent, nicht an allen entscheidenden Stereotypen von Baskenmütze bis Rotwein. (Doch - es gab kein Baguette!) Die die Rezensentin eher peinlich berührenden Publikumsinteraktionen lösten beim leicht zu begeisternden Schunkelpublikum Begeisterungsstürme aus. Selbiges war auch gleichermaßen berührt von dem Gesang der Roussi-Piaf, was nicht unbedingt von der Sachkenntnis des Publikums zeugt.

Zwar hat Vasiliki Roussi zweifellos eine beeindruckende Stimme, und sie ahmt die Bühnenmanier der Piaf ziemlich detailgetreu nach – bis hin zu der eigenwilligen dentalen Art, das „s“ zu singen. Nur die Interpretation des Chansons bleibt dabei auf der Strecke. Weder gelingt Roussi die Imitation der Piaf-Interpretation, noch schafft sie es, eine eigene zu liefern. Ergebnis ist seelenlose Stimmengewalt. Dabei gibt es durchaus Chansonsängerinnen, die eine überzeugende Neuinterpretation eines Piaf-Chansons vorlegen – Zaz beispielsweise, mit „Dans ma rue“.

Das machte aber nichts, denn dem Publikum genügte es, das vertraute „Allez, venez, Milord“-Da-da-da-di-da-da zu hören und die Lebensgeschichte der Piaf in Platitüden zu goutieren, die man in 10 Minuten aus Wikipedia zusammenstoppeln kann. Für eine Hommage an Edith Piaf hätte sich ein Chansonliebhaber mehr erwartet, für das Publikum reichte es. Vielleicht wussten die Veranstalter es schon.

Umso erstaunlicher, dass sie als Counterpart dann ausgerechnet La Voisin einluden, die doch nun wirklich Vertreter eines modernen Chansons sind und so gar nicht zum Vorangegangenen passten. Man mag die säuselnden Stimmchen, die das Nouvelle Chanson so bevorzugt, mögen oder nicht: Gegen das Vorangegangene war dieser Teil eine Wohltat in Sachen Authentizität und Originalität. Den Abend retten konnte La Voisin doch nicht – denn irgendwie wollten sich erster und zweiter Teil nicht so recht zu einem Konzept zusammenfinden, es sei denn, das Konzept war: Es sollte möglichst wenig zusammenpassen. Man könnte gewissermaßen auch Andy Borg vor ein Tschaikowski-Konzert setzen.

Fazit: Nein, das war wirklich nichts. Aber das chansontechnisch eher unbeleckte, leicht zu bespaßende Publikum fand’s trotzdem toll. Und vor der rustikalen Scheune des hübschen Gutshofs gab’s auch noch was zu Futtern zu kaufen. Das ist ja auch was.

Besucherfazit

Disharmonischer Bespaßungsabend ...und nichts für Chansonfans

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