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Livekritik zu

Allerdings. Ringelnatz

06.06.2013 - 24.01.2018 | Hamburg [ Mitte ] / Das Schiff Hamburg
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A.-K. Iwersen
am 27.09.2013

„Nur der, der im Kopf nicht ganz richtig/Ist, lebt sich und unterhält“, heißt es in einem Gedicht von Ringelnatz, und das gilt vielleicht auch ein bisschen von dem Künstler selbst und seiner teils albernen, teils hintersinnigen, aber immer – auch im strengen Wortsinne – witzigen Poesie. „Das Schiff“ in Hamburg zeigt nun Frank Roder mit seinem Solo-Programm „Allerdings. Ringelnatz“ – und könnte dem Künstler gerechter nicht werden: Man wird bestens unterhalten, und lernt zugleich sehr viel über den Künstler Ringelnatz.

Joachim Ringelnatz (1883-1934), mit bürgerlichem Namen Hans Gustav Bötticher, ist heute bei einem jüngeren Publikum nicht mehr allzu bekannt; wohl auch deshalb war der Altersdurchschnitt des Publikums bei dieser Veranstaltung recht hoch. Das Publikum kannte zu einem großen Teil die Gedichte des Dichters und Kabarettist noch – zumindest in Teilen – auswendig, und amüsierte sich köstlich, über Ringelnatz‘ Texte wie über Roders Darbietung.

Roders Vortrag und kabarettistische Umsetzung der Gedichte Ringelnatzens ist gelungen, man muss sagen: Besser kann man es wohl gar nicht machen. Was den Abend aber vor allem auszeichnet, ist, dass das Programm es nicht bei der Rezitation des poetischen Werks belässt, sondern zwischen Blöcke literarischer Texte die Lesung ausgewählter Briefe aus der Korrespondenz des Künstlers setzt. Diese Briefe geben höchst eindrucksvoll Einblick in das Leben Ringelnatzens, seinen Charakter – und vor allem auch seine ständigen pekuniären Sorgen. Sie zeichnen aber auch ein Bild der Zeit: So kann man die Weltwirtschaftskrise und die Inflation insbesondere zu Beginn der 1920er Jahre verfolgen, aber auch den Zeitgeist der 20er Jahre insgesamt, der sich durch die prekären Verhältnisse nicht in seiner Lebenslust beeinträchtigt sehen wollte.

Ein wirklich gelungenes Programm also, und weit mehr als eine Lesung von Gedichten. Vielleicht ist Ringelnatz nicht jedermanns Sache; doch auf jeden Fall ist dieser Ringelnatz-Abend eine gute Möglichkeit, es herauszufinden. Wem dieses Programm nicht gefällt, dem gefällt vermutlich Ringelnatz nicht – an der Leistung Frank Roders wird es nicht liegen. Insofern ist jedem ans Herz zu legen, sich diese Veranstaltung anzuschauen und vielleicht Ringelnatz für sich zu entdecken, mindestens aber – wenn man noch nie dort war – „Das Schiff“, das wirklich eine wundervolle Hamburger Location ist.

„Allerdings. Ringelnatz“ ist noch einmal zu sehen am 25. Oktober, 6. November und 16. Januar.

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Für Liebhaber von Joachim Ringelnatz - und solche, die ihn entdecken wollen

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