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Livekritik zu

I Believe in Jim Jones

04.12.2014 - 07.12.2014 | Berlin [ Prenzlauer Berg ] / Ballhaus Ost
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Jamal Tuschick
am 05.12.2014
Fataler Führer
Jim Jones initiierte einen kollektiven Selbstmord von über 900 Leuten – „I Believe in Jim Jones“ erzählt im Ballhaus Ost von Macht & Manipulation
 
Der Anfang sieht nach Stehparty aus, heute Abend wird der komplette Ballhaussaal bespielt. Es gibt keine Segregation des Publikums, keine Schranke, keine Rampe. Will man, wie weiland Willy Brandt, mehr Demokratie wagen und das Prinzip Repräsentation abschaffen? Das Licht selbst wird zum Aktivisten, es tritt förmlich auf. Es leuchtet Uniformierten heim. Nun stellt sich die Frage, kommt eine Sekte oder sind das die Leute, die den Sekt ausschenken. An ihrem Gesang sollt ihr sie erkennen. Das Lied ist christlich, es gibt keinen Sekt. Die Schauspieler schütteln Hände. „Shake hands, no need to be blue“, singen sie. Jemand verteilt Gebetszettel, Blockflöten werden ausgepackt. Der Teppich passt farblich zu den Uniformen. Eine sakrale Szene jagt die nächste. Plötzlich reißt Tina Pfurr als Jim Jones die Weltherrschaft an sich. Zumindest zieht sie das in Erwägung. Viele Kinder gehören zur Gemeinde: Mathilde Böttcher, Gnima Hecht, Titus Rohde, Caspar Schüchner, Jan Stelling und Rita Stelling. Sie sind die Stars des Stücks. Sie überspielen die Abgründe der Empfänglichkeit.
Tina Jones denkt laut über „Mechanismen der Manipulation“ nach. Sie deutet an, dass solche Mechanismen auch das Theater steuern. Die Inszenierung zeigt es. Kinder schieben das Volk durch den Raum, das Volk belächelt seine Entmündigung: „Nur wer Demut zeigt wird belohnt.“ Die Zuschauer bilden zwei Gruppen. Eine Gruppe begrüßt jeden Herdkreis, die andere vereint ein Unbehagen an der Herdenförmigkeit des Verhaltens. Manche ziehen sich an Ränder zurück, um nicht in Kreise gezogen zu werden.
Der Charismatiker Jim Jones - Was von ihm ursprünglich als sozialistische Glaubensgemeinschaft ins Leben gerufen wurde, entwickelte sich zu der Todessekte „Peoples Temple“. „Ich glaube an die Dummheit der Menschen“, verkündet Tina Jones. „Sie wollen verführt werden. Alle gehen den Weg mit und glauben, sie hätten die Entscheidung selbst getroffen. Es ist für sie ein Glück, manipuliert zu werden.“ Ganz groß an der Manipulationsfront sind außerdem Nele Jahnke, Julia lwowski und Conrad Rodenberg. Sie führen Einzelgespräche zum Thema Nähe und Distanz. Sie singen „Wer hat die Kokosnuss geklaut“.

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Ein Stück zum Anfassen

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