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Livekritik zu

The Black Glass

31.01.2013 - 09.02.2013 | Berlin [ Prenzlauer Berg ] / Ballhaus Ost
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Jamal Tuschick
am 19.03.2013

MAGISCHES ENSEMBLE
PushPush rockt schwarzes Glas

In hundert Stockwerken keine Welt

 

Zwei Männer streiten in einem Wolkenkratzer. Man wähnt sie da allein, obwohl das gar nicht sein kann. Sie sehen durch schwarzes Glas und den Smog von Los Angeles Verkehr leuchten. SUV soweit das Auge reicht. So geht ein Kammerspiel von Guy Zimmerman los: The Black Glass. - Im Berliner Ballhaus Ost bringt es PushPush - in der Regie von Tim Habeger - auf die Bühne. PushPush ist eine Kompanie aus Atlanta und das Stärkste, was ich bisher in einem Berliner Theater gesehen habe.

 

PushPush ist ein magisches Ensemble. Tim Habeger und Brad Culver bauen das Hochhaus mit Worten. Sie spielen mit der Spannung von Kriegern. Das sind Krieger, die Theater spielen, damit nichts Ärgeres geschieht. Jederzeit könnten sie den Publikumskragen platzen lassen. Das Publikum sitzt mit auf der Bühne. Da duckt es sich, als stünde ihm ein Auslieferungsantrag ins Haus.

 

Zwei Männer streiten, sie messen sich. Sie feuern aus allen Rohren – so dass man erkennt, worum es geht. Der Kapitalismus passt der Evolution in den Kram und die Rivalität kommt dem Kapitalismus gelegen. Ein CEO (Tim Habeger) wird mit der Aussicht auf einen Internetporno erpresst. Ein Mann, der gewohnt ist, mit dem Zweck die Mittel zu heiligen – moralisch tiefergelegt, tiefer kann man nichts legen - hat da seine Schwäche, wo er liebt. Die Attraktion des Streifens könnte seine Tochter Joanna nämlich sein. Es sei denn, er bezahlt. Er soll in eine goldene Zukunft investieren, in eine Zukunft die Joanna nicht als Star der Industrie auf der Liste hat.

 

Joanna ist eine Projektion im schwarzen Glaskasten. Man sieht sie mit allen all-american-Attributen und weiß doch nicht, hat sie schon oder hat sie noch nicht - gedreht. Ist sie überhaupt in der Gewalt von Erpressern? Ist es nicht vielmehr ihr größter Wunsch eine bedeutende Rolle in der Körperfilmwelt zu spielen? Will sie nicht unbedingt ein Magnet der Industrie sein?

 

In The Black Glass schaut die Zukunft der Gegenwart schon einmal über die Schulter und meldet Suprematie an. Donny heißt der CEO und Tommy sein Gegenspieler in Gestalt von Brad Culver. Tommy ist der Spa-in-Spain-Typ, leptosom und alert bis zum Anschlag. Er macht Geräusche wie ein neues Kartenspiel. Er erscheint super-aggressiv und mit ihm erscheinen so Shelby Hofer und Corryn Cummins als Adana & Dawn. Sie diskutieren und exemplifizieren in rasenden Power Yoga-Durchgängen die Vorzüge von Gier und Skrupellosigkeit. Sie möchten auf Oberflächen glitzern. Sie träumen sich als Raubtiere, als Garanten der kalifornischen Verheißung von Schönheit, Reichtum und sauberem Wasser. Keinesfalls für alle, doch für immer, sofern man zur Party eingeladen.

 

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