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Livekritik zu

Falstaff

17.11.2013 - 04.01.2014 | Berlin [ Charlottenburg ] / Deutsche Oper Berlin
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Horst Roediger
am 18.11.2013

Komödie der Irrungen: Nur selten wandte sich Giuseppe Verdi in seinen Kompositionen dem heiteren Genre zu, aber ausgerechnet sein letztes Bühnenwerk gehört in diese Kategorie: den entscheidenden Anstoß gab der Verfasser des Textbuches zu der 1893 in Mailand uraufgeführten Komödie, selbst als Komponist mit „Mefistofele“ erfolgreich: Arrigo Boito veranlasste Verdi, noch einmal die Schaffung einer Oper zu unternehmen. Die Deutsche Oper Berlin leistet mit der Neuinszenierung des Spätwerks ihren Beitrag zum 200. Geburtstag eines der größten und beliebtesten Opernkomponisten aller Zeiten. 

 

Regisseur Christof Loy läßt die Handlung mit einem Schwarz-weiß-Film beginnen, der in Verdis Mailänder Refugium für betagte Sänger spielt und zwanglos in die reale Bühnenhandlung überleitet. Zwei Shakespeare-Stücke, die „Merry Wives of Windsor“ und „Henry IV“, liefern die Story für ein drolliges Verwirrspiel, in dessen Mittelpunkt der trinkfeste Sir John Falstaff steht. Dessen Vorliebe für Alice, die Gattin von Mister Ford, ist nur die  jüngste seiner zahllosen Affären, die seinen Leumund ruiniert und die Weiblichkeit von Windsor auf den Gedanken gebracht haben, dem dicken Sir seine galanten Ausflüge gründlich zu vergällen. Das ausführliche Hin und Her endet im nächtlichen Wald mit der berühmten Fuge „Alles ist Spaß auf Erden, der Mensch als Narr geboren“.

 

Christof Loy inszeniert den „Falstaff“ fröhlich-realistisch als komödiantische Szenenfolge, die bisweilen an Feydeaus türenklappende Farcen erinnert. Sein durchweg hervorragend ausgewähltes Solistenensemble ist ihm dabei mit immer neuen Verkleidungen eine stets auf heiteres Tempo gestimmte Unterstützung. Allen voran der stabil gebaute, mit zusätzlich wattiertem Wanst ausgestattete Sir John von Noel Bouley. Sein markantester männlicher Gegenspieler Ford, von Michael Nagy stimmkräftig auf die Bühne gestellt, darf sich nicht nur mit den vermeintlichen Seitensprüngen seiner Gattin (Barbara Haveman) auseinandersetzen, sondern auch die Neigung seiner Tochter Nanetta (mit schönem Sopran: Elena Tsallagova) zu dem jungen Fenton (Joel Prieto) zu unterbinden suchen. Die flankierenden Herren Doktor Cajus (Thomas Blondelle), Bardolfo (Gideon Poppe) und Pistola (Marko Mimica) mischen nach Kräften mit. Der eigentliche Treibsatz ist aber das Windsorer Weiberquartett, außer Alice und Nanetta mit Meg Page (Jana Kurucová) und Mrs. Quickly (Dana Beth Miller) agil und spielfreudig besetzt. Eine Schar hilfswilliger Diener rundet das Ensemble ab.

 

Donald Runnicles leitet sein hervorragend disponiertes Orchester hellwach und mit dem passenden Drive durch das quirlige Geschehen. William Spaulding hat seine Choristen wieder einmal bestens instruiert, und die entzückenden weiblichen und männlichen Elfen tun ein Übriges, um den Wald von Windsor zu verzaubern. Ausführlicher Beifall für Ensemble und Orchester, der zu gleichen Teilen und gänzlich ohne Zeichen des Mißfallens dem gesamten Regieteam gilt. 

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Ein Klassiker in fröhlicher Präsentation: Erlebenswert!

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