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Livekritik zu

54. Choriner Musiksommer

24.06.2017 - 27.08.2017 | Chorin
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Horst Roediger
am 03.07.2017

Bruckner mit Vogelstimmen

(Brandenburgisches Staatsorchester Frankfurt)

 

Zu den Freuden des Sommers zählen open-air-Konzerte, und im Berliner Raum haben sich hierfür vor allem zwei Orte als Schwerpunkte herausgebildet: die Berliner Waldbühne am Olympiagelände und die romantische Kirchenruine des Klosters Chorin, wo jetzt zum 54. Mal der „Choriner Musiksommer“ stattfindet, der sich Jahr um Jahr eines lebhaften Besucherinteresses erfreuen kann. 

 

Das Konzert des Brandenburgischen Staatsorchesters Frankfurt unter Leitung seines Chefdirigenten Howard Griffiths lockte ein sehr zahlreiches Publikum in die sorgfältig restaurierte Klosteranlage, die sich wahrhaft lieblich in die Landschaft nahe Eberswalde einfügt. Auch das diesmal etwas unfreundliche Wetter aus verhangenem Regenhimmel hatte den Zustrom der Gäste nicht vermindert.

 

Zum Auftakt Felix Mendelssohn Bartholdys e-moll-Violinkonzert aus dem Jahre 1844, das heitere Leichtigkeit verbreitet. Solist ist der deutsch-indonesische Geiger Iskandar Widjaja, der in Berlin an der Hochschule „Hanns Eisler“ und an der Universität der Künste studiert hat und heute zu den profiliertesten Instrumentalisten seiner Generation gehört. Sein Vortragsstil gibt sowohl den vitalen wie den nachdenklich-innigen Passagen des Violinparts den angemessenen Ausdruck und setzt die Spitzentöne immer besonders zart an. Howard Griffiths geleitet sein Orchester mit aufmerksamer Zeichengabe durch den Dialog mit der Violine. Dem den reichen Beifall dankt Widjaja mit einer perfekt exekutierten Zugabe für Violine solo.

 

Nach der ausgiebigen Pause, die gemäß der Tradition für den Verzehr der mitgebrachten Picknick-Utensilien genutzt wird, kehrt wieder Ruhe ein. Howard Griffiths hebt den Stab für Anton Bruckners Neunte Sinfonie d-moll WAB 109, uraufgeführt 1903 in Wien. Bruckners unverwechselbare Tonsprache, hier besonders ernst und feierlich geprägt, wird vom Orchester in glücklicher Ausgewogenheit und mit klug gesetzten Instrumentalsoli wiedergegeben. In den brucknertypischen Generalpausen klingen gelegentlich Vogelstimmen durch die unverglasten Fenster herein. Lediglich im Scherzosatz, dem zweiten des mit drei Sätzen unvollendet gebliebenen letzten sinfonischen Werk Bruckners, wirkt sich die Akustik der Konzertkirche etwas nachteilig aus, weil die Streicher gegenüber den sehr kräftigen Bläsern in dem prägnant formulierten Dialog beider Instrumentengruppen etwas blass bleiben. Alle Einwände sind vergessen im dritten und letzten Satz, dessen getragener Duktus in einem Schlußakkord von buchstäblich überirdischer Schönheit gipfelt. Es mag danach eine gefühlte Minute gedauert haben, bis der Beifall einsetzt - mehr nachwirkende Ergriffenheit hätte sich auch ein Herbert von Karajan nicht wünschen können. 

Besucherfazit

Open air in der Klosterkirche: Sommerfreude für die Ohren

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Titel: 
54. Choriner Musiksommer
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Ort: 
Kloster Chorin
Zeitraum: 
01.07.2017

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