Overlay
Livekritik zu

Streichquartette von Franz Schubert

01.04.2017 | Berlin [ Mitte ] / PIERRE BOULEZ SAAL
« zurück zur Veranstaltungsseite
Horst Roediger
am 03.04.2017

Schon der Ort dieser musikalischen Handlung ist für sich genommen ein kleines Wunder. Der neue Pierre-Boulez-Saal Berlin, von der kundigen Hand des Architekten Frank Gehry mit Unterstützung des Akustikers Yasuhisa Toyota in das Gebäude des Kulissenmagazins der Staatsoper eingepaßt, fügte sich hier ebenso organisch ein wie in den Zeit- und Kostenrahmen dieses Baus, der sowohl aus Spenden wie aus Bundesmitteln finanziert wurde. Kanadisches Zedernholz kleidet die Wände und die Decke aus, was der Akustik einen ungewöhnlich warmen Klang ohne störende Nachhalleffekte verleiht. Der Initiator des Neubaus ist an diesem Abend auch der Impulsgeber für das auftretende Ensemble: Daniel Barenboim, Generalmusikdirektor der Staatsoper, war sowohl der Anreger für den Saalbau wie für die erst kürzlich erfolgte Gründung des Streichquartetts der Staatskapelle, das zur Einweihung des Neubaus seinen ersten eigenen Zyklus von Quartettkompositionen vorstellt. 

 

Die Mitglieder dieses im doppelten Sinne jungen Kammermusikensembles sind Wolfram Brandl (1. Violine), Krzysztof Specjal (2. Violine), Yulia Deyneka (Viola) und Claudius Popp (Violoncello). Auf dem klug zusammengestellten Programm eine Auswahl von Kompositionen für Streichquartett von Franz Schubert ( 1797-1828), die zu seinen farbigsten und mitreissendsten Werken gehören. 

 

Die Musiker beginnen mit Schuberts „Quartettsatz“ c-moll D 703 aus dem Jahre 1820, einem einzigen Allegrosatz, der gleichwohl zu den bekanntesten Kompositionen Schuberts gehört und sich hervorragend für einen solchen Auftakt eignet, in dem sich bereits alle Vorzüge dieser Interpretengruppe ausprägen. Eine hell klingende, gleichermassen sensibel und klangrein intonierende 1. Violine, eine überaus wache und kraftvoll ergänzende 2. Violine, die sehr charaktervolle und präzise agierende Viola und das  wundervoll warm und intensiv empfindende Cello ergeben eine ideale Zusammenstellung von Streichinstrumenten, die ihre Wirkung durch präzises Zusammenspiel und gut abgestimmte Akzentsetzung auf ein außergewöhnliches Niveau heben. 

 

Dem „Quartettsatz“ folgt das Streichquartett Nr. 1 D18 aus dem Jahre 1810/1811, noch dem Geiste Joseph Haydns verwandt, aber in Aufbau und thematischer Diktion schon ganz „Schubert“. Danach das Streichquartett Nr. 8 B-Dur D112 von 1814, wieder mit einem „Menuetto“-Satz, der aber diesmal der dritte ist, und einem „Presto“-Finale, wie bei allen drei diesmal vorgestellten Quartetten. 

 

In der Pause ist Gelegenheit, sich noch einmal die Dimensionen des Saales und die Details seiner Gestaltung vor Augen zu führen, wobei besonders die Sorgfalt der Verarbeitung der Hölzer und Metallapplikationen beeindruckt. 

 

Für den letzten musikalischen Höhepunkt wechseln die Solisten ihre Sitzposition im Zentrum des Saales. 1. Violine und Viola tauschen ihre Plätze, ebenso 2. Violine und Cello. Dieser Tausch bringt zusätzliche akustische Nuancen ins Spiel, die das Hörerlebnis noch reizvoller machen. Darauf dieses thematisch wie nach der Virtuosität der Instrumentalparts so anspruchsvoll und intensiv gestaltete Streichquartett Nr. 14 d-moll D 810 aus dem Jahre 1824, das nach einem  hier verwendeten Liedthema „Der Tod und das Mädchen“ genannt wird. Ein sehr vitaler, fein abgetönter Allegrosatz als Einstieg, dann der herrliche Variationensatz Andante con moto, gefolgt von den nicht minder spannungsreichen Passagen  „Scherzo. Allegro molto“ und „Presto“. Die technisch perfekte, von überzeugendem musikalischen Consensus bestimmte Interpretation wird von den Zuhörern begeistert aufgenommen. Der reichhaltige, ausführliche Applaus ist der Dank für die überaus gelungene Darbietung eines glücklich zusammengesetzten, harmonisch agierenden Instrumentalensembles. 

 

 

Besucherfazit

Junge Solisten in einem neuen Konzertsaal - ein Erlebnis!

Bewertung

  • Fazit
  • Unterhaltung
  • Anspruch
  • Preis/Leistung
  • Atmosphäre
Titel: 
Streichquartett der Staatskapelle Berlin
0 Personen fanden diese Livekritik hilfreich.
Konnte Ihnen diese Livekritik helfen?
Ja
Ort: 
Pierre-Boulez-Saal Berlin
Zeitraum: 
01.04.2017

Ähnliche Veranstaltungen in der Nähe

Zuletzt aktive Livekritiker

  • Tollwood
  • Wilhelmine Molt
  • Aberabends
  • Ella Görner
  • Daniel Anderson
  • Iris Souami
  • Iris Gutheil
  • Alminka Divković Hurabašić
  • Peter Griesbeck
  • Ina Finchen
  • Holger Kurtz
  • Esther Barth
  • Juliane Wünsche
  • Benjamin Njoroge
  • Staatsoper im Schiller Theater
  • Sophie Wasserscheid
  • ChrisCross
  • Odile Swan
  • Reinhard Zeitz
  • Stephanie Speckmann
  • Wolfgang Albrecht

Für Freikarten und Kulturtipps

Machen Sie mit

Kultur erleben

  • Erhalten Sie Informationen zu Veranstaltungen, die Sie wirklich interessieren.
  • Austauschen mit anderen Livekritikern.
  • Gewinnen Sie Freikarten.
Jetzt kostenlos registrieren!