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Livekritik zu

North-Lichter - Astrid North & Gäste North-Lichter

25.07.2017 - 29.07.2017 | Berlin [ Wilmersdorf ] / Bar jeder Vernunft
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Frollainwunder
am 27.07.2017

die zarte zuchtperle astrid north ist wieder in ihrem musikalischen zuhause, der unvernünftigen bar in westberlin, eingekehrt. und als mama des pop-souls hat sie sängerinnen gerufen, um mit ihnen vier inspirierende abende im 3. frauensommer zu zaubern. die aufregung ist zu spüren, astrid vernestelt sich in ihrem hellgrauen pailettenkleid aus den 20er jahren, lächelt scheu und breitet mal wieder ihre seele auf einem samtenen klangteppich aus. sie fließt hinter das klavier, strafft sich wie ihr buschiger zopf, und setzt zu „rolling man“ an von ihrem aktuellen album „precious ruby“. ich sterbe immer ein bisschen vor mich hin, wenn sie singt, die seele rollt sich sofort in rosenblätter ein.
die wahlberlinerin cäthe vernestelt sich auch etwas vor aufregung und hat sich in bodenlangen schwarzen demuts-stoff gehüllt. cäthes augen funkeln kess, die kurzen haare sind kurz aber wild. mein nächster seelischer kniefall, als cäthe zu singen beginnt. „tabula rasa“ – cäthes chamäleon-texte betten sich in eine stimme, die vibriert, kämpft, in zartheit zerfällt und sich der ungezähmtheit verschrieben hat, weil sie gar nicht anders kann. dann singt sie vom „jungen im sand“, immer noch aufgeregt, denn cäthe ist nicht oft auf bühnen zu treffen und das ist einen seufzer wert.
the-mother-of-them-all astrid kündigt wertschätzend die leipzigerin safi an. bei diesem namen denkt man an alles mögliche, aber nicht an eine zähe zentaurin mit blondem langhaar-undercut und schnittigem gesicht. safi schnappt sich die e-gitarre, stellt die loops ein und die bar grüßt eklektisch das wummernde berghain. safi schrofft sich hochkonzentriert durch „menschen“ und „fragezeichen“ aus ihrem album „janus“ und das publikum spannt die nerven. die braut haut ins ohr. und verdammt, sie klingt immer wieder so sehr nach tamara danz, der verstorbenen ikone und frontfrau von silly. stimmgewalt, abgefuckt und unbeugsam. dieses northlicht an astrids abend stroboskopt. safi sammelt nachdenklich „fragezeichen“ in ihrem sprödspannenden collagen-text und das publikum neue aufregende eindrücke.
astrid schwärmt von diesem konzept-abend und von all den wunderbaren talenten und dass wir eins sind, auf der bühne, wir zuschauer. die hellblond gelockte westfalin anna franken ist die vierte sommerfrau und steht für argentinischen tango mit klassischer stimme. eben noch mit safi ins berghain gebeamt zieht anna uns hinab in die traurigkeit, in der männer von frauen verlassen werden, in der man trinken muss. mit einer glasklaren stimme, die eher ein nordlicht ist als ein spanisches feuer.
nach der pause schleicht sich astrid lächelnd und barfuß zurück, pumps ahoi, und safi packt jetzt den song „golem“ aus, gegen verblendung und hass. astrid ist auch ein chor. rehauge cäthe bekämpft immer noch die nervosität und kriecht in ihren song „ding“ – „hallo ich bin liebe, ich glaub ich bin ein ding, wenns in bewegung ist, machts einen sinn“. das macht es. cäthe übersetzt ihre poesie auch in leidenschaftliche bewegung, cäthe lebt jedes ihrer schönen worte. und verblutet ein bisschen darin. schwimmt noch mehr in gefühlswelten, seit sie im mai ein kind bekommen hat, wie sie berührt erzählt.
und dann noch einmal astrid und das große klavier und die große stimme, mit scheuen flügeln aber dem urwuchs einer sanften raubkatze, fängt sie uns mit „coins“ bescheiden ein. vom warmen soul weg führt anna franken mit einer klirrenden collage aus texten von schumann und hugo wolf und tango. omar begleitet stilgerecht und es wird wieder sehr traurig. eine frau im publikum vergräbt sich in ihren tränen. im spanischen song geht eine autorin ins meer um neue gedichte zu finden, von seepferdchen umringt. die so fröhlich wirkende blonde anna und das ewige tal der tränen. cäthes mutterherz schlägt wieder warm vor sich hin mit „vagabund“, safi loopt sich kämpferisch durch „ich will ein leben, was mich nicht ständig anschreit“. ich auch.
nach all den frauenstimmungswelten vereinen sich alle zu einer coverversion von sara bareilles polit-song „seriously“. astrid verabschiedet uns mit einem schwebenden „lightning“. es gibt sonnenblumensträuße für die sommerfrauen.

weiter zieht sich die perlenschnur mit mother astrid bis zum sonnabend, 29.7. und am 25.9.17. eigentlich müsste man an allen abenden vorbeischauen und rumfühlen. und eine sonnenblume mitbringen.
 

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