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Livekritik zu

Les Ballets Trockadero de Monte Carlo

19.07.2016 - 24.07.2016 | Berlin / Komische Oper Berlin
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Frollainwunder
am 26.07.2016

so schön kann doch kein mann sein! doch, jawohl. die herren trocks bilden als geschmeidige ballerinen eine faszinierende spitzenriege, in der ästhetik, glamour und styling bis in die kunsthaarspitzen wirken. die wimpern klimpern, die lippen sind vollmundig gemalt, der schweiß rinnt damenhaft. es regiert der turbo-quatsch. schon bei der namensnennung der kunstwerk-ballerinen (tatiana youbetyoubootskaya, resi oachkatzlschwoaf). bevor der rote samt der schnörkelschönen komischen oper aufgeht, hören wir aus dem off lustiges auf englisch. todernst wird die company vorgestellt. die mit zwei versionen gastierte. unser programm, das 2., becircte mit schwanensee, dem postmodernen patterns in space, esmeralda pas de six und don quixote. wuchtige klassik vom band, wuchtige grazien auf dem tanzboden. schwanensee erlebte hier seine wiedergeburt als drama mit damenhaft hochgezogener augenbraue. immer wieder stolpert eine lady oder klinkt sich aus oder nimmt die todernste dramatische vorlage so gar nicht todernst. grandiose grimassenausreißer. ein kultiges konzept - ballett ohne edelkrampf, ballett mit amüsanten schlenkern. zwischen atemlosen pirouetten, hochkonzentriert gestreckten körpern entsteht fast mühelos wirkende vollendung. eine gratwanderung. spitzentanz auf weltniveau und humor, der das komikzentrum der zuschauer treffen will. und trifft. natürlich. wer kann hier schon widerstehen bei so viel herzigem charme. nach fräulein odette mit dem schwanenkostüm stolpert ein kleines ensemble herein und wiegt sich postdramatisch im ausdruckstanz der neuzeit mit einer kauzigen hommage zur vorlage von merce cunningham. der gaga-gaudi kommt von den avantgardistischen geräusche-experten,einem paar mit verspanntem anliegen, herrlich klischeehaft entworfen. mit wasser kopfüber gurgeln, flöten, klingeln, tröten. todernst, todkomisch.
in esmeralda nach victor hugo ist selbige von herzschmerz geplagt und findet so gar kein verständnis, niemand hier nimmt ihr leiden ernst. eine der damen zigeunerinnen verspeist sogar verständnislos eine banane unter der aufgeplusterten perücke. die schale landet frech im off. es bleibt klassisch bei don quixote und auch hier überwältigt die perfektion. wer auch immer die first lady im stück gibt, ist bis ins detail ein ballerinen-traum. grazien unter grazien. es sei denn, eine männliche rolle wird bedient. prinz siegfried, herr pierre, ein marquis.zwei pausen von je 20 minuten gaben den weltberühmten tänzern eine kurze auszeit vom hochleistungssport, das bühnenbild wurde in wenigen details verändert. und der rote samt öffnete sich erneut für diesen herrlichen gegenentwurf zu sonst herztragischen ballettaufführungen. selbst das programmheft amüsiert detailverliebt.
weiter geht die turbulente rundreise durch deutschland mit köln ab 28.7., mannheim ab 2.8. und stuttgart ab 9.8.

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tatütata - die ladyliken herren trocks sind da

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