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Livekritik zu

FRIEDRICH LIECHTENSTEIN TRIO

27.02.2016 | Berlin [ Neukölln ] / Heimathafen Neukölln
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Frollainwunder
am 29.02.2016

neukölln ist struppig, der heimathafen neukölln aber eine insel des flausch. stuck, goldene schnörkel, holzparkett. heute stehen mal rot gepolsterte stühle rum.
an der bar im saal klappert es (und auch später, weil ständig jemand nach getränken latschen muss).
der saal füllt sich in erwartung an dem vom feuilleton wohlwollend gehypten gentleman of performing arts, "supergeil" und so. dabei ist er eigentlich ziemlich scheu (menschenscheu aber dann doch nicht so).
herr l. trägt modische sonnenbrille. die fingernägel sind wieder gülden lackfoliert, weil das so "schön" aussieht. schön sollte so vieles im leben sein! der dunkle anzug sitzt schön, das hemd ist schön weiß, das einstecktuch auch.
die liiiiebe glitzert sogleich mit "sparkling love". die dicke diskokugel an der hohen decke sparkelt auch, bling bling für romantiker. "terrestrische wellen" rollen sanft über unsere köpfe.
friedrich liechtenstein ist aktuell ein trio. arnold kasar sitzt hinterm piano und am keyboard, bastelt perligen electro-sound. sebastian borkowski sorgt für orale zauberklänge mit einem samtenen saxophon, flöte und kontrabassklarinette. ein trio of harmony.
später positioniert liechtenstein eine violine auf der schulter. und kündigt elke brauweiler an, die auch bei der band paula mitsingt. die brünette elke hat eine extraordinäre mädchenstimme. das schwarze kurze bauschkleidchen schimmert lackfoliengleich vor sich hin. und dann singen sie beide auch den titelsong zur frühlings-serien-reihe auf arte "tankstellen des glücks" (pfingstmontag) mit liechtenstein als doku-papst on the road.
"ich könnt noch tausend liter tanken, bin noch immer nicht am ziel, nur du bist in meinen gedanken, und das ist viel, orpheus hat sich umgedreht, den fehler mach ich nicht."
man könnte glatt rumschunkeln, aber selbst das selige ist hier auch sehr cool, lässig und hipster-berlin, auch wenn hipster-berlin mal pause machen sollte.
in "musik von dir" bekennt liechtenstein in richtung damenwelt (und elke) "sie ist die frau, ich bin der mann, der mann ruft an". jawohl-applaus.
hypnotischer trip-hop-sound mit samtenen saxophon gibt es auch, herr von und zu kann sogar hüftflott und wohldosiert tänzeln. es lebe der stil! liechtenstein zitiert zeilen aus der new-york-times-beilage der süddeutschen 2005 (blaue periode). ab und zu erklärt er, wie so ein sein-song-konstrukt entsteht, aber eigentlich auch egal. hauptsache schön!
liechtenstein plaudert über kleinstädte, fkk und nadelgehölz. das publikum chort mal kurz zu "the lion sleeps tonight" mit, ein schlenker im song. friedrich freut sich.
"i'm a bird (gurr), i'm a wolf (schrappschrapp), this is darkness (schrunz), this is light (bing), i'm a loser, i'm a fool, but deep in my mind, i make sex to you, hhhhmmm". so geht gold seinen weg, teilt der love-guru kunstvoll pathetisch mit. und so funktioniert special art-pop by grandmaster liechtenstein. 
bambi-auge paula ist jetzt das lady-frauchen, der bebrillte gentleman brummt: "oh baby, i come home, it's cold outside, hey darling what's going on, there is nothing to eat, no books to read, strawberry red is the colour..."
erdbeerrotes licht erstrahlt die kompakte bühne. wortkreationen, die man so wegsäuseln kann, herrlich.
martina gedeck ist schön, boitzenburg nicht, baby boo offensichtlich süß. heute zitiert king kuschlig mal nicht aus dem letzten konzeptalbum "bad gastein", nur sparklesparkle, sondern aus werken wie "please have a look from above" und dem neuen scheibchen "schönes boot aus klang".
hans-holger friedrich, der ehemalige puppenspieler, könnte fast die puppen tanzen lassen, wenn diese nicht von superchill-klängen und seiner bassig-wohligen stimme hypnotisiert wären und gern wie eine miezekatze rumdösen würden.
"ich war ein paar tage krank, jetzt darf ich wieder saufen, gott sei dank!", witzelt liechtenstein ungewohnt umgangssprachlich. danach wird es aber bei der zugabe noch einmal gentleman-romantisch mit "close to you" von den carpenters von 1970. da war er 14 jahre und teenie-scheu, definitiv.
die 90 minuten angeloungetes meisterkonzert waren eine seelische frollainwunder-heimat, versponnen, fantasievoll und superchill.

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the love-guru, the gentleman of performance-pop: friedrich liechtenstein

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