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Livekritik zu

Dämonen

27.06.2013 - 29.10.2014 | Berlin / Schaubühne am Lehniner Platz
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Frollainwunder
am 05.01.2015

"gottes gemetzel" trifft auf "wer hat angst vor virgina woolf" trifft auf lars eidinger, der hier mal wieder aus der geschmeidigen hüfte heraus die aufregende performance-runde dreht. ein bisschen schaubühnenprinz-eitel, klar, aber gekonnt und der rolle dienend.
als schnöseliger kotzbrocken frank mit aussagekräftigem brillenmodell, in weißen jeans und braunen wildleder-schuhen, stolziert er durch die drehbare kulisse einer halbgestylten yuppie-wohnung unterm dach. katarina (porzellanfrau cathlen gawlich), die feinnervige blondine an seiner seite, treibt ihn in den wahnsinn mit spitzfindigkeiten, demütigungen und ihrer schlamperei. frank wird zum kaltschnäuzigen despoten mit kalkuliertem charme, verwehrt ihr, was sie wünscht, grausamt: "ich liebe dich, aber ich mag dich nicht". der pärchensatz des abends. lauert nicht in so vielen seifig-schönen er-sie-wir-verbindungen unter der oberfläche die aggression, die teufelin, die den blick in den spiegel fordert? nur wer hat den todesmut dazu.
es klingelt an der tür. jenna (eva meckbach mit den rehaugen), die nachbarin von unten, hat vergessen reis zu kaufen und entschuldigt sich tausendmal. da frank ein einsamer abend mit katarina bevorsteht und sich auch diese vor seinen angriffen fürchtet, lädt man sich lauernd das überforderte hippie-happy-paar ein. jenna und thomas (tilman strauß in ökobaumwolle) sind so ganz anders. haben kinder, sind sich doch noch nah und anhänglichen. aber durch franks sadistische giftspritzen-attacken bricht auch aus ihnen im laufe des künstlichen pärchen-abends die enttäuschung, die wut, die erschöpfung heraus. eine heile welt bricht zusammen, eine eiskalte welt nährt sich daran. frostig-bitter ist es jetzt. und grausam wahr.
regisseur thomas ostermeier seziert scharfsinnig die vorlage von lars noren und hat vier schauspieler gewählt, die ihm gnadenlos folgen und die bühne dreht sich, die sprachlosigkeit wächst, das scheitern steht im schaubühnensaal wie ein monument.
ein intensiver abend, ein hin- statt wegschauen. faszinierend.
lars eidinger geht als frank an einige grenzen, greift an, packt zu. katarina zeigt sich halbnackt und verletzlich. jenna jammert sich in ihren dauerschwangeren körper hinein, thomas will nur weg aus diesem dauerschleifen-leben. man fühlt mit und bekommt es auch mit der angst zu tun. hier serviert die beziehungsteufelin ein best of und hält den grausamen spiegel vor. großartig.

Besucherfazit

zwei gegensätzliche paare auf ostermeiers elegant-gnadenlosem seziertisch

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