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Livekritik zu

Clavigo

23.11.2015 - 11.03.2016 | Berlin [ Mitte ] / Deutsches Theater Berlin
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Frollainwunder
am 21.02.2016

das abo-publikum hat sich dann doch erschrocken, wo goethe drauf steht ist ja ein seltsamer goethe drin, fast schon ein punk!
susanne wolff spielt und performt feminin gekleidet clavigo, den liebesganoven und leidenschaftlichen dichter, goethes alter ego. die liebe berauscht ihn, so lange sie keine fesseln trägt.
der lange schmale marcel mit dem weichen halblangen haaren gibt die marie, die traurige, die doch hoffnungsfrohe, die verzweifelte. dt-hausregisseur stephan kimmig, jahrgang 1959, gendert die vorlage. die frauenrollen übernehmen männer, die männerrollen frauen, es heißt aber nicht die marie sondern der marie. nur clavigos buddy carlos bleibt er selbst.
susanne wolff, die lars eidinger des deutschen theaters, räkelt sich performance-rauschhaft in der rolle des filous, im schönen gesicht wechseln die launen, ironisch ist der fraukerl, komisch, eitel, stolz. clavigosusanne stakst und tanzt, prüft uns, wirft ihre punkige platinblonde kunstmähne, zeigt kokett ihre highfashion-fummel.
da steht ein mikrofon, mit einer loopmaschine, clavigosusanne botschaftet in leidenschaftlichen monologen, wehmütelt, mariemarcel wird zum mick-jagger-verschnitt mit seiner antwort. ist die musik mitreißend performed wird es wieder ruhiger, die texte goethes bleiben bei kimmig das zentrum, klassisch, frech, interessant.
auf der bühne immer nur ein riesiger ballon mit buntem stoff und korbgeflecht. videokunst wird wie ein digitaler rahmen eingesetzt, zeigt clavigo und marie schwarzweiß, eine beziehung wie ein roadmovie. wo clavigosusanne losgelöst und charmant spielt, gibt sich die mittlerweile hochschwangere kathleen intensivkonzentriert. szenen auf den punkt, eine großartige interpretin ihrer rollen (auch maries bruderschwester). im würstelbehangenen rock als josephine baker des abends zitiert sie völlig gelassen aber verführerisch goethes derbkeckes werk "hanswursts hochzeit". carlos flapsiger kommentar dazu: "ja, das war auch goethe".
am ende des komödiantischen dramas setzen sich alle eine rote nase auf, die musike poppt und in knalliger montur wird nur noch albern getanzt. auch eine aussage.
i love diese inzenierung, frollainwundergagatoll.

 

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goethes clavigo als poppiger spaß mit literarischem boden

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