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Livekritik zu

Like Berlin

06.03.2017 - 11.06.2017 | Berlin [ Tiergarten ] / Wintergarten Varieté
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Frollainwunder
am 29.03.2017

wie fühlt sich berlin eigentlich an? als krasse ostmieze, als immerberlinerin, als kulturstiefelantin. berlins bunte rauhe seele ist mir bunt und rauh begegnet im deutschen theater bei „alexanderplatz“, im bka theater bei „wildes berlin“, im tipi am kanzleramt bei „frau luna“. im wintergarten variéte bei der neuen show „like berlin“ dann doch nicht soooo wirklich. etwas konstruierter großstadtseelen-hype für den aufgeregten berlin-touristen (es gibt übrigens einen dönerteller für 12 euro). zitat website: ein feuerwerk aus berlin-sound (klar, „dickes b“, rosenstolz, peter fox, grossstadtgeflüster mit „fickt-euch-allee“, ideal mit „berlin“ – die konserve rockt), wilder artistik (viel bekanntes, wenig wildes, immerhin schiebt man kurz den agilen akrobaten ein berghaintaugliches eisenbett auf die bühne) und weltstadt-atmosphäre (am wintergarten-himmel blinken die künstlichen sterne) entstand in anlehnung an die werte-kampagne like berlin (immerhin gab es eine trendige grundidee) und deren suche nach dem „berlin-code“. (berlin hat postleitzahlen, aber einen code?). die show macht sich auf die suche nach der dna der hauptstadt (ich glaube dann doch nicht, dass berlin analysiert werden will) und will den wahren spirit dieser ungezähmten metropole fühlbar machen (was marketing-experten so alles ersehnen).
frollainwunder ist bällchenmüde. der äthiopier girma tsehai nie, und so flogen wieder die kleinen runden dinger hin und her und hin und her. und irgendwann die kleidung und girma jonglierte mit strohhüten kichernd an der frontalen nacktheit vorbei. girma tat das nicht zum ersten mal im wintergarten variéte. florian zumkehr stapelte wieder bücher unter einen wackeligen stuhl und begab sich lässig in den handstand. hier auch schonmal gesehen. auf den posterwilden tigris hatten wir gehofft, waren aber an einem tigrisfreien tag im showgärtchen. es wurde aber sinnlich am tuch geräkelt, guillaume hatte sich in sein diabolo verliebt und immer wieder rotierte es geschwind, auch die polestange wurde anmutig wie die strapaten strapaziert. die kunst der sympathischen, engagierten artisten blieb in soliden pfaden, überraschte ab und zu, fand aber keinen wirklichen bezug zum überdrehten berlin-konzept. das wird ziemlich lieblos mit klischees erschlagen. die wende wird mit der totgenudelten scorpions-nöl-hymne „wind of change“ markiert, hinter einer pappmauer poppen ein grenzsoldat und eine kollegin, ein papp-trabant wird gezeigt, man schlappt im trupp über die bretter und ruft „wir sind das volk“, symbolische bsr-kräfte fegen berlins ollen müll weg, eine burka-trägerin verwandelt sich sinnbefreit in eine dirndl-trägerin, der russische sektor wird mit einer wodkasäuferin bebildert, die dazugehörige teigige amerikanerin schaufelt popcorn. pierre caesar hat sich auf eine hebebühne verstauen lassen und scratcht als dj ein wenig herum unter der decke um das berlin-dj-gefühl zu wecken (und wahrscheinlich von einem leben als david guetta zu träumen). der rest der musike kommt aus der konserve (oder wird kurz von einem schlagzeuger gepimpt). eine entdeckung ist ena wild, die an cassandra steen erinnert und einer urbanen prinzessin gleicht. leider blieb sie ein dosierter act. das alles hat sich showbuddha markus pabst ausgedacht, zusammen mit dj pierre caesar. pabst, der schon umwerfende shows wie „der helle wahnsinn“ oder „soap“ kreierte. ist pabst des regierens müde? gab es kreativen zeit- und kostendruck? „like berlin“ punktet mit witzigen sprüchen aus der kampagne, die show drumherum werden touristen weniger kritisch infrage stellen, als krasse ostmieze will ich mehr, fühlen und sehen. und überrascht sein. und diese schönen showmomente gab es für mich im wintergarten variéte ja schon einige schöne male (relax, heller wahnsinn, wir sind pabst, the trip, all night long, the soap opera).

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die touristenversion zum marketing-umwobenen berlin-gefühl

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