Overlay
Livekritik zu

Like Berlin

06.03.2017 - 11.06.2017 | Berlin [ Tiergarten ] / Wintergarten Varieté
« zurück zur Veranstaltungsseite
Frollainwunder
am 18.03.2017

wie fühlt sich berlin eigentlich an? als krasse ostmieze, als immerberlinerin, als kulturstiefelantin. berlins bunte rauhe seele ist mir bunt und rauh begegnet im deutschen theater bei „alexanderplatz“, im bka theater bei „wildes berlin“, im tipi am kanzleramt bei „frau luna“. im wintergarten variéte bei der neuen show „like berlin“ dann doch nicht. konstruierter großstadtseelen-hype für den aufgeregten berlin-touristen (es gibt übrigens einen dönerteller für 12 euro). zitat website: ein feuerwerk aus berlin-sound (klar, „dickes b“, rosenstolz, peter fox, grossstadtgeflüster mit „fickt-euch-allee“, ideal mit „berlin“ – die konserve rockt), wilder artistik (viel bekanntes, wenig wildes, immerhin schiebt man kurz den akrobaten ein berghaintaugliches eisenbett auf die bühne) und weltstadt-atmosphäre (am wintergarten-himmel blinken die künstlichen sterne) entstand in anlehnung an die werte-kampagne like berlin (immerhin gab es eine trendige grundidee) und deren suche nach dem „berlin-code“. (berlin hat postleitzahlen, aber einen code?). die show macht sich auf die suche nach der dna der hauptstadt (ich glaube nicht, dass berlin analysiert werden will) und will den wahren spirit dieser ungezähmten metropole fühlbar machen (was marketing-experten so alles ersehnen).
ich bin bällchenmüde. der äthiopier girma tsehai nie, und so flogen wieder die kleinen runden dinger hin und her und hin und her. und irgendwann die klamotten und girma jonglierte mit strohhüten kichernd an der frontalen nacktheit vorbei. girma tat das nicht zum ersten mal im wintergarten variéte. florian zumkehr stapelte wieder bücher unter einen wackeligen stuhl und begab sich lässig in den handstand. hier auch schonmal gesehen. es wird am tuch geräkelt, guillaume hat sich in sein diabolo verliebt und immer wieder rotiert es, auch die polestange wird anmutig strapaziert. die artistik bleibt in soliden pfaden, überrascht ab und zu, findet aber keinen bezug zum überdrehten berlin-konzept. das wird ziemlich lieblos mit klischees erschlagen. die wende wird mit der totgenudelten scorpions-nöl-hymne „wind of change“ markiert, hinter einer pappmauer poppen ein grenzsoldat und eine kollegin, ein papp-trabant wird gezeigt, man schlappt im trupp über die bretter und ruft „wir sind das volk“, symbolische bsr-kräfte fegen berlins ollen müll weg, eine burka-trägerin verwandelt sich sinnbefreit in eine dirndl-trägerin, der russische sektor wird mit einer wodkasäuferin bebildert, die dazugehörige teigige amerikanerin schaufelt popcorn. pierre caesar hat sich auf eine hebebühne verstauen lassen und scratcht als dj ein wenig herum unter der decke um das berlin-dj-gefühl zu wecken (und von einem leben als david guetta zu träumen). der rest der musike kommt aus der konserve (oder wird kurz von einem schlagzeuger gepimpt). eine entdeckung ist ena wild, die an cassandra steen erinnert und einer urbanen prinzessin gleicht. leider blieb sie ein dosierter act. das alles hat sich showbuddha markus pabst ausgedacht, zusammen mit dj pierre caesar. pabst, der schon umwerfende shows wie „der helle wahnsinn“ oder „soap“ kreierte. ist pabst des regierens müde? gab es kreativen zeit- und kostendruck? „like berlin“ punktet mit witzigen sprüchen aus der kampagne, die show drumherum werden touristen weniger kritisch infrage stellen, als krasse ostmieze will ich mehr, fühlen und sehen. und überrascht sein. und diese schönen showmomente gab es für mich im wintergarten variéte ja schon einige schöne male (relax, heller wahnsinn, wir sind pabst, the trip, all night long, the soap opera).

Besucherfazit

die touristenversion zum marketing-umwobenen berlin-gefühl

Bewertung

  • Fazit
  • Unterhaltung
  • Anspruch
  • Preis/Leistung
  • Atmosphäre
4 Personen fanden diese Livekritik hilfreich.
Konnte Ihnen diese Livekritik helfen?
Ja

Ähnliche Veranstaltungen in der Nähe

Zuletzt aktive Livekritiker

  • Juliane Wünsche
  • Ina Finchen
  • Melli Schmid
  • Staatsoper im Schiller Theater
  • Nicole Haarhoff
  • Tanja Piel
  • Daniel Anderson
  • Hundert11 - Konzertgänger in Berlin
  • Katja Marquardt
  • Katharina Hö
  • Esther Barth
  • HoppelhäschenNeukölln Haße
  • Steffen König
  • Annette van den Bergh
  • Sophie Wasserscheid
  • A.-K. Iwersen
  • Stefan M. Weber
  • Frollainwunder
  • Zelli
  • Irina Antesberger
  • Iris Souami

Für Freikarten und Kulturtipps

Machen Sie mit

Kultur erleben

  • Erhalten Sie Informationen zu Veranstaltungen, die Sie wirklich interessieren.
  • Austauschen mit anderen Livekritikern.
  • Gewinnen Sie Freikarten.
Jetzt kostenlos registrieren!