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Livekritik zu

Peer nach Henrik Ibsen - Teil der -Festspiele

23.03.2013 - 26.03.2013 | Berlin / bat-Studiotheater
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Florian Leitner
am 18.04.2013

Regisseuren wird gerne vorgeworfen, dass sie andere auf die Bühne schicken, um ihre Ideen auszubaden. Am BAT war nun eine Performance zu sehen, bei der ein Regisseur selbst seinen Kopf hingehalten hat. Der Performer ist Student des Regiestudiengangs der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch. In den vergangenen Monaten hat er an einer Inszenierung von Ibsens Peer Gynt gearbeitet. So wie es aussieht, hat er sie ordentlich in den Sand gesetzt. Offenbar hat er sich in immer megalomanere Regieeinfälle verstiegen, hat seinen Darstellern immer Unmöglicheres abverlangt. Man muss wohl von Größenwahn sprechen. Am Ende blieb nichts anderes übrig, als das Projekt abzusagen. Das war kurz vor der Premiere, die Ende März hätte stattfinden sollen. Und der Regiestudent stand allein da. Ohne Schauspieler. Zwei Wochen später hat er sich nun selbst auf die Bühne gestellt. In der Performance berichtet er von seinen überzogenen Vorstellungen zu Peer Gynt und macht sich Gedanken zum Theater im Allgemeinen. Im Grunde genommen ist das Ganze die logische Fortsetzung des Regietheaters. Während dieses gerne polemisch mit ostentativer Nacktheit auf der Bühne assoziiert wird, tritt der Regiestudent im dezenten dunklen Anzug auf - ist dabei aber so nackt, wie man nackter nicht sein kann. Und so einsam, wie man selten jemand im Theater gesehen hat. Alles, was ihm bleibt, sind größenwahnsinnige Ideen, aber er hat keine Schauspieler mehr, um sie zu verkörpern. Stattdessen versucht er, eine unbeholfene Skulptur aus Pappkartons zu errichten. Eine Art Turmbau zu Babel. Er holt sich Unterstützung aus dem Publikum, aber natürlich bricht der Turm schließlich zusammen. So bleibt ihm nichts anderes übrig, als einfach von seinen Ideen zu erzählen, sie verbal auszustellen - mal ratlos, mal trotzig. Sein Schimpfen und Lamentieren ist wahrscheinlich die ehrlichste Art, mit seinem Scheitern umzugehen. Und mutiger, als sich nach dem Misserfolg einfach zu verkriechen. Stattdessen erinnert der Regiestudent in den 45 Minuten, die seine Performance dauert, daran, dass die Idee des autonomen Künstlersubjekts einst geboren wurde, um den kreativen Menschen an die Stelle des Schöpfergottes zu setzen. Die Performance zeigt einen Theaterkünstler, der - noch am Anfang seiner Karriere, in der Ausbildung - von dem Begehren getrieben ist, diese Apotheose des kreativen Menschen nachzuvollziehen. Am Ende hängt er als gefallener Engel in den Seilen. Aber er ist sich wenigstens nicht dafür zu schade, sein Scheitern vor- und aufzuführen.

 

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Ein Regisseur hält seinen Kopf hin.

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