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Livekritik zu

Falkenberg live

15.06.2013 - 20.11.2015 | Bautzen / Steinhaus im Exil
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Farbpalette
am 20.11.2015

 

Was für ein behutsamer Abend.
Im Angesicht der schrecklichen Ereignisse von Paris, war es vielen wirklich ins Angesicht geschrieben, wie sehr sie diese traurigen Tatsachen beschäftigten.
Allen voran Ralf Schmidt.
Er betrat pünktlich 19.30 Uhr die Bühne des Bautzener Burgtheaters, einer hervorragenden Bühne für achtsam eingerahmte Liedkunst.

Und betonte, noch ehe 1 Lied begann, sein zermürbend trauriges Mitgefühl den atemstockenden Geschehnissen an diesem Freitagabend.
"Wer tut so etwas?"
  "Sicher nicht liebende, glückliche Menschen. Diejenigen die eine wundervolle Familie hinter- u. vor sich haben, Freude am Leben."
Wer also?
Die schwer- fallende Antwort blieb jeder schuldig.
Und er kam, gerade jetzt mit seinem neuem,  "Geliebtes Leben" betitelten Album, in die Stadt.
Assoziations- frei- gegeben... bewog es nun den Raum.

Wie würde sich dieser Abend gestalten?  Wie würde sich der Bogen spannen, um doch nicht ins Schwermütige zu fallen?
Denn bei aller Tragik, die Leute hatten sich lange und bewusst für ein leichten und doch nachdenklichen Abend entschieden.
Und wollten ihn in aller Tiefe auch auskosten.
Und vorab gesagt - Er,  es wurde dem, aller Regel nach, gerecht.

Ja.
Was ist ein Geliebtes Leben?  Was bemisst den Inhalt?
Wer erstellt den Wert?  Liebend. Geliebt.
Viele Fragen.

Und Falkenberg zog sie an. Die Antworten. Zu einem Teil.
"Staub" - der vorgezeichnete Abschied.
Die Frage des Abends und umkehrbare Schluss  "Was würdest du tun".
Für die Liebe "Deine tanzenden Vögel"    `..... und ich kann bleiben....`

..... und der Abend wurde leichter, in der Aufforderung an die Zuschauer, doch Geräusche zu erzeugen, womit auch immer - geisterbahnähnlich, schaurig, schummrig - für den "Menschensammler"   und seine skurrile Wirkung.
"das kann ein lustiger Abend werden......"  und es gabt der Atmosphäre seinen Eintritt.

Es folgte eine Vielzahl seiner jahrelang erzeugten, tiefgründiger, melancholischer aber auch lustvoll leichteren Lieder.
Die Mischung erreichte ein Publikum.
Und Falkenberg mischte enorm im Teigkessel der Gefühle.
Ein großer Pluspunkt war das Spiel auf dem theatereigenen ` Försters Flügel`.
Was er da an zauberhaften Momenten, Klängen und Tiefen hervorzog - machte, im Unterschied zu anderen E-Piano begleiteten Abenden, eine wundervolle Magie aus.
Fast atemstilles Zuhören, sich Fallenlassen, Folgen bei den gereiften Liedern - die immer wieder und wieder noch ein Mal wirken.
"Ich bin frei" , " Regenbogen", "Eine Nacht" - intensiv und sich so frei atmend.  Und eines seiner bekanntesten Titel aus Wendejahren 1987 "Dein Herz".
 

Wunderbar oft, ohne zer-störender Zwischentexte, einfach an- und weitergespielt - zeriss Er, es keinen wahren Augenblick.
Den, der der Musik und diesen einfach, treffenden Texten gehörte.

Dies waren die Höhepunkte an diesem Abend.

Und doch hatte Ralf Schmidt auch etwas zu sagen.
 Wie er es immer tat.
Natürlich seine An-Sichten, Statements, Reaktionen.
Kurz u. prägnant zur pol. Lage, zu seiner künstl. Laufbahn, zu seinen `Immer bei mir` - Begleitenden, Anekdoten aus Ehemaligem und Heutigem und auch lachende Momente kamen aufs Klavier: "... das ist jetzt so mein Thema... , hier passend - zweckentfremdete Senfeimer oder Nachtflohmärkte."
Die letzte Position gehörte, was wunderbar zu-treffend schloss, der heutzutage so weit und kräftezerrend suchenden Stille.

Wo ist sie?
Was ?  (ist Stille? Wo ist sie hin?)
In all dieser lauten, schnelllebigen Zeit?  Voll mit Materialismus, Technik, Kommerz?
Können wir sie noch finden?  

Wenn wir es wollen !

Und in Verbindung mit Schönheit.
Denn da ist sie zu finden.
Stille projiziert Schönheit und umgekehrt.  Wir müssen sie nur wieder entdecken.

Suchen wir sie. Schon um dieses Leben geliebt zu zeichnen.

Er formulierte es abschließend ausgesprochen herzlich und auffordernd.  Das Publikum nahm es als besonderen Pfand mit nach Hause.
Gerade in diesen Zeiten.

"...und hier in Bautzen ist sowieso alles etwas anders......."  was er  `bewundernd und schmunzelnd nicht nur einmal im Laufe des Konzertes feststellte.

Und vielleicht hat er Recht.  
Betrachtung eines Fremden.
Achtsame Sicht von aussen.
Das wäre erfreulich.

Deshalb bot dieses Konzert ein behutsames Pflaster, auf dem man meilenweit die nächsten Tage und auch mal schlechtere Zeiten gehen kann.  Sei es, Kraft und Freude für den Alltag mitzunehmen. Behaltend.
 

.... und für regennasse Novembertage gab er, nach einem Augenblick Verschnaufpause, in ruhigen Worten gehüllt, noch fein signierte Einzelstücke für einen Gegenpfand und zählbare Meinung, mit nach Hause.

Und wieder ein neuer Abend.
 Bewusstheit und Leichtigkeit legten sich in den Raum, eingeschlossen von einer Intensität, sponnen sie eine feinwobende Atmosphäre.

 

 

 

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ein neuer Abend

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