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Livekritik zu

Jedermann

17.10.2013 - 27.10.2013 | Berlin [ Mitte ] / Berliner Dom
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Erzählung
am 18.10.2013

Das Stück

Die alte Parabel vom Jedermann von Hugo von Hofmannsthal als "Spiel vom Sterben des reichen Mannes" erschien 1911 in Berlin und wurde im selben Jahr dort uraufgeführt. Seitdem hat es einen festen Platz in der deutschen Hauptstadt und auch in letzter Zeit geben sich gerne Stars und Sternchen ein Stelldichein.

Die Parabel selbst hat ihren Ursprung schon im 7. Jahrhundert. Ein Mann wird vom Tod zur letzten Reise aufgefordert und bittet seine vorgeblichen Freunde und Verwandte um Begleitung. Zuletzt bittet er auch sein eigen Gold um Wegbegleitung. Beistand wird ihm erst von seinen Werken gewährt. Diese buddhistische Parabel kommt schon in der um 630 entstandenen spätgriechischen Märchensammlung “Barlaam und Josaphat” vor.

Die Inszenierung

Brigitte Grothum übersetzt das Stück nicht in der Moderne, versetzt es wie Hugo von Hofmannsthal nicht zurück in Mittelalter. Sie entscheidet sich aber auch nicht wirklich für eine bestimmte Form. Weder im Auftreten der Figuren noch im Bühnenbild, noch in Maske und Kleidung der Schauspieler findet sich ein eindeutiger Faden. Das kann und soll uns sagen, dass das Stück bewusst in allen Jahrhunderten spielen kann, aber das hätten wir bei einem "alten" Stück neu aufgeführt auch so verstanden.

Die Schauspieler - vor allem alle Erfahrenen - agieren professionell und teils auch fesselnd. Gleichzeitig wird über sie kein einheitliches Ideenband gewebt, so dass ein jeder sein Bestes tut ... nicht aber immer in die gleiche Richtung unterwegs ist. Teilweise wirklich großartige Darstellungen verpuffen etwas, weil sie nicht eingebunden sind. Brigitte Grothum, Reiner Schöne und Ursula Karusseit sind auffallend und es macht Spaß, ihnen zuzusehen. Wer Peter Sattmann mal in einem Traumschiff oder ähnlichem Genrespaß gesehen hat, weiß spätestens jetzt, dass er hier als Teufel richtig besetzt ist.

Als Buhlschaft, die traditionell gern auch als Publikumsfang eingesetzt wird, agiert Jeanette Biedermann unaufgeregt und trägt die Rolle kompetent und freundlich. Zur Überschrift „Biedermann im Jedermann“ reicht es nicht, denn dazu hätte sie sich mehr einbringen können.

Einer Neuerfindung des Stückes sitzen wir nicht gegenüber. Dazu ist es hier in Berlin im Dom auch nicht angelegt. Gleichwohl aktuell durch die derzeitigen Diskussionen um mehr Steuern für die „Reichen“ dieser Republik sieht man ein Stück, was frisch aufgelegt ist, aber dazu mehr gewagt haben könnte. Der Applaus am Ende war begrenzt und dem Aufstehen der Betreiber bei den Ovationen folgten nur wenige.

Sollte man hingehen?

Na klar. Das Stück hat aktuelle Bezüge, ist gut inszeniert, eine Menge Schauspieler von Format, die dies auch kurz zeigen dürfen und mit einer Domkulisse, die ihres gleichen sucht. Im Abgang des Stückes findet der Dom seinen besten Einsatz als Kulisse und diese Bilder sind großartig und diese nimmt man mit hinaus.

Noch zwei kurze Gründe, auch in Kürze hinzugehen. Bis zum 20.10. findet noch das Festival des Lichts in Berlin statt und der Dom leuchtet in den verschiedensten Farben und kann wie im Bild zu sehen, den Besuchern auch eine Kusshand zuwerfen. Und Herbert Köfer als besoffenen Nachbarn des Jedermann zusehen macht einfach Spaß.

Besucherfazit

Hingehen! Gute Unterhaltung mit wenig Überraschungen.

Bewertung

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Der Berliner Dom zur Nacht
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