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Livekritik zu

LADYKILLERS

16.03.2013 - 31.08.2013 | Berlin / Schlosspark Theater Berlin
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Elena Artemenko
am 18.03.2013

Die traditionsreiche englische Komödie samt dunklem britischen Humor „Ladykillers“ nach dem Drehbuch von William Rosewird findet nach zweimaliger Verfilmung in den Jahren 1955 und 2004 (aktuellste Version mit Tom Hanks in der Rolle des Professors) nun den Weg von der Leinwand auf die Bühne des Schlosspark-Theaters und wird sogleich nach der Premierennacht für unser Live(kritik)-Experiment „Digital im Theatersaal“ verwertet.

Ist die zeitgleiche Berichterstattung via Smartphone etc. gewinnbringend oder doch nur ablenkend? Spannend, gerade für uns als Livekritik-Team. Ich stehe dem, trotz vermeindlichem Multitasking-Talent, eher skeptisch gegenüber. Doch dazu später mehr.

Eindrucksvolles Bühnenbild im Glanz der Detailverliebtheit

Wie vom Schlosspark-Theater gewohnt ist das Bühnenbild mit dem Öffnen der Vorhänge ein wahrer Blickfang. Daria Kornysheva hat sich mit dieser Detailverliebtheit wirklich selbst übertroffen. Der kleinbürgerliche Charme strahlt hier von allen Seiten, verspielt heimelige Atmosphäre wird geboten. Eine Glanzleistung!

In der Hauptrolle der Witwe Wilberforth agiert Ingeborg Krabbe. Schlichtweg stellt sie ein gastfreundliches Fräulein gestandenen Alters mit einer Vorliebe für Teestunden und Skatrunden dar. Ihr Hang zum Drama macht sich in ihrem Engagement der Polizeihilfe deutlich. Hier bereichert sie die örtliche Stelle mit Aussagen über Ufos und Prophezeiungen von vermeidlichen Mordfällen, die doch nie einzutreffen vermögen...

Mit ihren 81 Jahren spielt sich diese Dame in die Herzen der Zuschauer. Kein Wunder, Krabbe ist im waschechten Leben, der Nachbesprechung nach zu urteilen, mindestens genauso schlagfertig wie im Scheinwerferlicht.

Doch auch die restlichen Charaktere sind auf ihre individuell-eigenartige Weise liebenswürdig. Herausstehend ist hier der tollpatschige Osteuropäer mit großem Herzen für Torten, sowie alles sonstige Essbare, der durch Rainmond Knoll verkörpert wird. Philipp Sonntag als alkoholabhängiger Arzt spielt in diesem Stück ebenfalls außerordentlich. Schade nur, dass dieser brillante Schauspieler (unter anderem gesehen in „Arsen und Spitzenhäubchen“) in dieser Rolle überwiegend am Randgeschehen teilnimmt.

Vom kühlen Banditen mit geheimnisvollen Bluesbrother-Charme (Johann Fohl) mal ganz zu Schweigen. Zum Schreien!

Leicht befremdlich sind lediglich die zwei Skat-Freundinnen von Frau Wilberforth: Das endorphin-gesteuerte Tantchen (Luise Lunow), welches jedem Herren Avancen macht, bevor diese bis drei zählen können und die schüchterne Blume, die doch eigentlich so viel zu bieten hat (dargestellt von Dagmar Biener), geben ein schrulliges Gespann ab, welches zeitweise einfach zu viel des Guten präsentiert. Gerade Lunow überspielt und scheint nicht mit ihrer Rolle im Einklang zu sein. Hier wäre weniger wirklich weitaus mehr gewesen!

Trotz meist vorhersehbarer Pointen, sind diese treffsicher auf die Lachmuskeln des Publikums ausgerichtet und vollbringen ihre gewünschte Wirkung. Es ist ein unterhaltsames, wenn auch kurzweiliges Werk ohne Tiefgang – dieser ist hier aber auch gar nicht gefragt. Empfehlenswert für einen Theaterabend unter Freunden oder im Familienkreis voller Amüsement!

Auswertung des Experiments

Am gestrigen Abend habe ich erneut festgestellt, dass ich im Theater die schlichte Konzentration auf das Bühnengeschehen bevorzuge. Nach einiger weniger Tweets meiner Wenigkeit und der Mitverfolgung der Aussagen der anderen Insassen legte ich mein Smartphone spätestens zum 2. Akt trotz großer Neugierde nun wirklich beiseite und bekam endlich auch mehr mit.

Vermutlich ist ein Tweet-up in einem Popkonzert o.Ä. weitaus unkomplizierter durchzuführen. Das Aufleuchten des Handys ist im Theatersaal doch stets mit Schuldgefühlen verbunden...

Für unser Team ist es aufregend die Weiten des Social Media zu erforschen und neue Kommunikationswege für das Portal zu finden, die es Ihnen auf einfachem Wege ermöglichen, ihre Meinung zum kulturellem Geschehen zu äußern.

Für mich bleibt in Zukunft der altbewährte Weg bestehen: Mit Notizbuch und Kugelschreiber auf dem Stoß, das Smartphone im Offline-Modus in der Handtasche ruhend und der Blick mit wachem Auge auf das Bühnengeschehen gerichtet. Iphone-Generation hin oder her – hier bleib ich wohl altmodisch...

Besucherfazit

Kurzweilige Krimikomödie mit viel Liebe zum Detail. Amüsant, dennoch nicht weltbewegend!

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