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Livekritik zu

La Strada – Das Lied der Straße

19.09.2012 - 12.02.2013 | Berlin [ Charlottenburg ] / Vaganten Bühne
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Elena Artemenko
am 20.09.2012

Haben Sie schon mal anderen Gästen im Theater gegenüber gesessen?

Das Vagantentheater führt mit „La Strada – Das Lied der Straße“ (nach dem Drehbuch von Federico Fellini) eine originelle Aufführungsform ein, indem es zwei Publikumsräume und einen eingebetteten untergeordneten Bühnenraum schafft.

Passend zum Namen des Theaters geht das Stück um sogenanntes fahrendes Volk, genauer gesagt um Zirkuskünstler. Hier nimmt sich der berüchtigte Zampanò (Oliver Marl) der gutgläubigen Gelsomina (Frederike Haas) an, als er sie ihrer Mutter für eine große Summe Geld abkauft. Sie unterstützt ihn von nun an bei seiner Darbietung als Kettensprenger. Obwohl er sie mit Nahrung versorgt, behandelt er sie von oben herab und zeigt sich ihr nicht zugeneigt. Stattdessen wird sie bei Widrigkeiten verprügelt und darf zusehen, wie er sich mit anderen Frauen vergnügt. Als sie dem Seil-Akrobaten und Clown Matto (Guido Kleineidam) begegnet, lernt sie erst die Wertschätzung ihrer eigenen Person kennen. Doch Matto und Zampanò stehen auf Kriegsfuß miteinander...

Bemerkenswert ist, dass es eigentlich kein einheitliches Bühnenbild gibt, sondern standhafte Requisiten, die situationsgebunden angepasst werden. Beispielgebend sind die auf dem Boden verstreuten Papierfetzen, die vor Beginn der Vorstellung den Weg zu den gegenüberliegenden Sitzreihen kennzeichnen, in der Inszenierung selbst neben dem Bodenbelag unter anderem auch als Geld, Wasser und Brennholz gebraucht werden. Der relativ kleine Raum wird durch das clevere Handhaben der Requisiten also bestmöglich genutzt. Zoltan Labas, der für die Ausgestaltung der Bühne zuständig ist, punktet hier mit funktioneller Kreativität.

Über die Besetzung lässt sich wahrlich nicht klagen. Neben ihren schauspielerischen Leistungen, beherrschen sie je auch ein Instrument. Für den besonderen Ton sorgt Ferdinand von Seebach, der als einziger nur mit seiner Posaune auf der Bühne agiert. Überaus überzeugt hat Seebach, als er lediglich mit einer Art hängenden Blechplatte ein Unwetter hervormusizierte.

Als außerordentlich wandelbar erwies sich Fanny Rose, die anders als die anderen Schauspieler viele verschiedene Rollen (gefühlsduselige Mutter Gelsominas, frisch-freche Wirtin, taffe Zirkuschefin oder hilfsbereite Nonne) in einem Stück ausübte.

Gefallen hat mir außerdem, dass das Publikum gut miteinbezogen wurde, ohne Aufdringlichkeit zu verspüren. Insgesamt also ein erlebnisreiches Stück!

Besucherfazit

Eine Inszenierung voller origineller Ideen, in einem kleinen heimischen Rahmen. Schön!

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