Overlay
Livekritik zu

Die Zimtfabrik

23.08.2017 - 02.09.2017 | Berlin / Malzfabrik
« zurück zur Veranstaltungsseite
Easygoing
am 24.08.2017

„Die Zunge quoll ebenso aus seinem Mund hervor, wie aufplatzender Mais, der zu viel Energie, zu viel Wärme empfängt. So plötzlich, obwohl man ja weiß, dass es gleich aus dem Mund herauskommt, eben ausbricht aus der Ruhe heraus.“ Genau das passiert in „Die Zimtfarbik“ von van Stiv. Ruhiges wechselt sich plötzlich und unerwartet mit Tempohaftem ab. Da ist Remus, der sich über Tischmanieren beklagt und das Zimttrauma früherer Lakaieinsätze im aktuellen Kontakt mit dem Gewürz nicht überwunden hat und Unordentliches mit sich und anderen bekämpfen will. Der kleinkriminelle Bodybuilder Ramon liebt sich mehr als andere, setzt sich in Szene und nutzte in der Vergangenheit Zimt zur körperlichen Selbstverwirklichung. Dabei fast bescheiden als er von seiner Lebensrettung eines Arbeiters berichtet. Die Geschichte dreht sich irgendwie um Benjamin, der auf der Suche nach dem Lebensretter seines Bruders diverse Fabriken  aufsucht und das Geschehen hinterfragt. Als er Erfolg hat, will er fast wieder weg, weil er seine Dankbarkeit gegenüber einem Mantel aufwiegt, den er als Erinnerung an seine Eltern behalten will und verliert. Das Stück erzählt diese Suche und setzt jede Figur mit Zimt in Verbindung. Mal romantisch, mal abgrundtief, mal geschmacklich, mal überwältigend, mal halszuschnürend. Da sind noch Giselher und Piotr, zwei mit Tempo gefüllte Rollen, die gefallen. Giselher, der neckt und Serientitel gebetsmühlenartig anführt, will von nichts wissen und tänzelt durch die Szene. Piotr, sein Psychologe, fragt ihn: „Sind Sie schuldig?“ und räumt seinen eigenen Beitrag dazu ein.  Er stellt weder sich noch Giselher vor, sondern präzis wesentliche Eigenschaften der drei Hauptakteure, die zum Teil wie empfindliche Kreaturen reagieren.  Es sei nicht zu viel verraten, dass auch eine Puppe, nur für die beiden sichtbar, erscheint und betont: „Ich hasse Zimt“. Mit der Inszenierung „Die Zimtfabrik“ gelingt der Regie ein krasser Gegensatz zwischen Komik und Tragik, sehr beweglichen und statischen Momenten, die sich wie ein Puzzle zusammenfügen und jederzeit Neues entdecken lassen. Alle Schauspieler meistern ihre vielschichtigen Rollenherausforderungen und das Zusammenspiel in der dachbodenartigen Kulisse, die auch durch die Beleuchtung an zusätzlicher Tiefe gewinnt. Eine Entdeckungsreise in eine „Fabrik“ und eine Auseinandersetzung mit Zimt und sich selbst.

 

Besucherfazit

Eine Entdeckungsreise um die Metapher Zimt - Sehenswert

Bewertung

  • Fazit
  • Unterhaltung
  • Anspruch
  • Preis/Leistung
  • Atmosphäre
11 Personen fanden diese Livekritik hilfreich.
Konnte Ihnen diese Livekritik helfen?
Ja

Ähnliche Veranstaltungen in der Nähe

Zuletzt aktive Livekritiker

  • Staatsoper im Schiller Theater
  • Peter Griesbeck
  • Aberabends
  • ENSEMBLE RUHR
  • Altfriedland
  • Benjamin Njoroge
  • Iris Fitzner
  • Konrad Kögler @ daskulturblog
  • Reinhard Zeitz
  • Stephanie Speckmann
  • Di Pa
  • Katja Marquardt
  • AnneW
  • Kunstfenster Dießen
  • poy
  • Christin Buse
  • Zelli
  • Wolfgang Albrecht
  • Nicole Haarhoff
  • Ella Görner
  • Daniel Anderson

Für Freikarten und Kulturtipps

Machen Sie mit

Kultur erleben

  • Erhalten Sie Informationen zu Veranstaltungen, die Sie wirklich interessieren.
  • Austauschen mit anderen Livekritikern.
  • Gewinnen Sie Freikarten.
Jetzt kostenlos registrieren!