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Livekritik zu

Ankalina Dahlem: Mal mal schön selbst!

17.09.2013 - 22.09.2013 | Berlin [ Charlottenburg ] / orangelab
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Daniel Anderson
am 18.09.2013

Dem Schauspieler, Sprecher und Kunstmanager Hans Brückner, dessen Eventreihe "30 Tage Kunst" in diesem November zum dritten Mal im ORANGELAB stattfindet, ist die Provokation zu verdanken, das diese, weitgehend über facebook diversitierte Kunstaktion, stattfindet. Er lud verschiedene Menschen dazu ein, Zeichnungen von Ankalina Dahlem auszumalen. Unter dem Titel "Mal mal schön selbst!" wurden Zeichungen Dahlems an so illustere Persönlichkeiten wie die Schauspieler Nina Hoger, Pierre Sanoussi-Blies und Gabriele Scharnitzky, die Musiker Pascal von Wroblewsky, Georg Kranz und Clelia Sarto oder die Autoren Kerstin Klein und Christiane Sadlo verschickt, die sie auf dem Postweg ausgemalt oder collagiert retournierten. Die Ergebnisse kann man seit dem 17.09.2013 im ORANGELAB am Berliner Ernst-Reuter-Platz genießen. 

Die Idee, ein bildnerisches "work in progress" auf dem Postweg zu initiieren, ist für Ankalina Dahlem nicht neu. Die Künstlerin lieferte bereits im Jahr 2002 mit dem BRIEFWECHSEL eine ähnliche Arbeit ab. Damals jedoch schickte sie über ein Jahr lang tägliche eine Zeichnung nur an eine Person, den Kunsthistoriker Ammann, der diese Post ausmalte, verfremdete, sie sozusagen als Material verwendete, ohne dass der Ursprung dadurch verloren gegangen wäre. Die Ausstellung des Briefwechsels erregte vor 11 Jahren großes Interesse.

Bei den nun vorliegenden 'Fortsetzungen' handelt es sich sämtlich um Vorlagen, die dem Band gleichnamigen Titels (Verlag Vin Silberhorn) entnommen sind. Das beherrschende Thema sind rätselhafte Frauen, die ein wie auch immer geartetes Zwiegespräch mit der Natur führen. Feen, Lolitas und Hetären werden zumeist zu Vogelwesen, aber auch zu Reptilien und einer Katze in Beziehungen gesetzt. Der Raum, in dem sich die Dialoge abspielen, scheint Märchen oder exotischen Gefilden entlehnt zu sein, obwohl er niemals eindeutig definiert ist. Dabei hat die Nacktheit der Frauen scheinbar nur den Zweck, von den Epigonen, den Ausmalern, den Fortsetzern bedeckt zu werden. Zweifellos regte jedoch das Amüsement und die leichte Ironie, die dem durchweg klaren und einfachen Strich Ankalina Dahlems in die diesen Zeichnunge eigen ist, dazu an, diesen Intentionen zu folgen. Man fühlt sich an viel Tradiertes erinnert, beispielsweise an "Des Kaisers neue Kleider" oder aber auch an die einfachen Ausmalbücher der Kindheit. Und das ist es auch, was den Arbeiten insgesamt gemeinsam ist - eine fast kindliche Verspieltheit, angereichert mit der Lust am Prozess. 

Hans Brückners Präsentation im ORANGELAB ist so ironisch und unterhaltend, wie die Bilder selbst es sind. Auf drei, zu Tafeln zusammen gestellten und mit Packpapier bezogenen Tischen werden liegend nicht nur die Bilder gezeigt, sondern eben auch die Briefumschläge, in denen die Bearbeiter die Werke zurückschickten. Handschriften und Bilder korrespondieren auf eine feine Art und Weise und wer sich die Zeit nimmt, sich an die jeweiligen Kopfenden  der Tafeln zu stellen, wird durch einen schönen Augenblick neuen Sehens belohnt.

Es wäre wünschenswert gewesen, den Zeitraum der Ausstellung 17.09 - 22.09.2013 etwas großzügiger zu bemessen, damit eine Mund-zu-Mundpropaganda bessere Wirkung zeigen kann. Auch die Öffnungszeiten von 11 - 19 Uhr scheinen mir wenig besucherfreundlich, gleichwohl ist der Eintritt frei. Trotzdem: ein, in seinem Humor und Fantasiereichtum großartiges Projekt, dessen Erlös zu 100% dem NABU zur Unterstützung des Projektes "Schreiadler" zukommt.

 

http://www.ankalina.com

http://orangelab.de

http://www.der-hans.com

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