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Livekritik zu

Kurt Krömer Late Night Show

10.08.2012 - 13.08.2012 | Berlin / Berliner Ensemble
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Christin Buse
am 26.10.2012

Diejenigen, die aus Berlin kommen, werden ihn schon lange kennen - und auch der Rest unseres immer mehr an Comedy interessierten Landes sollte zumindest schon einmal von ihm gehört haben: Kurt Krömer.
Nachdem der, wie er sich selbst bezeichnet, "Anarcho Clown" letztes Jahr seine "Internationale Show" beendete und erst einmal ein Jahr vom Fernsehbildschirm verschwand, kehrt er jetzt mit einer Late Night Show in der ARD zurück.
Durch diverse Zeitungsartikel und Beiträge im Internet, Krömer wäre "seriös" geworden, ging ich zwiegespalten durch das Foyer im Berliner Ensemble.
Da freie Platzwahl war, konnte man beobachten, wie sich die Menschenmenge, die von zwei Seiten durch jeweils eine kleine Tür in den Saal gelassen wurden, teilten. Die einen schlenderten durch die Sitzreihen wie bei einem Samstagvormittag Shoppingbummel, während die anderen versuchten einen Platz möglichst weit vorn zu ergattern und losrannten.
So auch ich und prompt saß ich in der Mitte der ersten Reihe.
Als jeder seinen Platz gefunden hatte, die Ehefrauen ihren Männern noch ein letztes mal ein :"Ick hab dir jesacht, wir müssen früher da sein" ins Ohr flüsterten und die Musik langsam verstummte, ging dann endlich der Vorhang auf und man hatte einen wundervollen Blick auf die, im Stil einer Wohnung aus den 50ern, eingerichtete Kulisse.
Geschwungene Treppe, bunt zusammengewürfelte Möbel und diverse kleine Details wie ein Bild von einem Hasen, Gardinen, ein Fernseher und Teppiche runden das Bild ab.
Die Tür ging auf und Kurt krömer begrüßt das Publikum :"ick bin wieder da Freunde!"
Schrille Anzüge und penibel zur Seite gegelter Scheitel sind schlichtem Anzug und aufgestellten, verwuschelten Haaren gewichen. Ein Bild, das man so nicht von dem "Vorzeigeneuköllner" kennt.
Aber diese Seriösität soll nur äußerlich geblieben sein.
Schon im Warm-Up wurde schnell klar: Er ist noch genau der Alte.

Zu Beginn werden erst einmal sämtliche Zeitungsartikel parodiert, dann wird mit dem Publikum eine Liste durchgegangen, wie man politisch korrekt ist (so stünde "Negerkuss" ganz oben auf der schwarzen Liste und "Hühnerficker" ginge gar nicht, das hieße jetzt Chickenromeo) und schließlich wird sich über den Kameramann lustig gemacht. Auf eine so sympathische Art und Weise, dass sogar dieser selbst lachen muss.
Nach 15 Minuten verschwand er dann wieder in der Tür, ein großer Bildschirm kam heruntergefahren und das Intro startete

Und auch die eigentliche Show selbst durchzog den gesamten Abend über eine unglaublich familiäre Atmosphäre.
Es war zwar jeder einzelne Stuhl besetzt, doch man hatte das Gefühl, es wäre eine Privatvorstellung für sich allein. Nicht zuletzt, weil Krömer nur zu gern mit dem Publikum agiert. Ob ein Handy klingelt und es der Person unter "Empörung" abgenommen wird, Zwischenrufe aus der letzten Reihe kommen, worauf dann meist ein Spruch à la "Brennt wieder irgendwo 'n Heim?" folgt oder ein Zuschauer deutlich lauter als alle anderen lacht und ihm das mit "Das war 'ne eklige Lache grade, können wir den rausschicken, dit kann ick nich' haben", gedankt wird. Auch der scheinbar ruppige Umgang mit seinem Team macht die Sendung unheimlich liebenswert. So ist Ingrid, die Papphalterin, oder wie Krömer sie liebevoll nennt "Pappenfee", mittlerweile schon Kult.

Eine Show für Jung und Alt auf hohem Niveau, auch wenn es erst nicht den Anschein macht. Der Spaßfaktor ist enorm und man geht mit einem unglaublich positiven Gefühl aus den Hallen des Berliner Ensembles, mit dem Gedanken: "Ich möchte noch mal".
Nun sind alle 8 Folgen abgedreht und auch schon ausgestrahlt und ich weiß jetzt schon: in der nächsten Staffel bin ich definitiv wieder mit dabei. Und das kann ich guten Gewissens auch weiterempfehlen.

Besucherfazit

Spaß, Situationskomik und gute Laune verpackt in 60 min Unterhaltung. Ganz große Comedy!

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