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Livekritik zu

Rigoletto

15.12.2012 - 14.11.2014 | München / Nationaltheater München
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cgohlke
am 07.05.2014

Semikonzertant

Verdis Rigoletto an der Bayerischen Staatsoper

Árpád Schillings „Rigoletto“-Inszenierung, die im Dezember 2012 an der Bayerischen Staatsoper Premiere hatte, gleicht über weite Strecken einer konzertanten Aufführung. Auf einer Tribüne sitzt der in hässlich beige Kostüme (Márton Ágh) gekleidete Chor frontal den Zuschauern im Parkett gegenüber, an der Rampe befindet sich ein quadratisches Podest, auf dem die Sänger viele ihrer Auftritte absolvieren. Ob die Operngesten, in die sie dabei verfallen, als Parodie zu verstehen sind, oder ob die Sänger von der Regie derart im Stich gelassen wurden, dass sie sich eben mit diesem kleinen Repertoire standartisierter Bewegungen behelfen, bleibt unklar. Dass Schilling ja eigentlich doch eine Inszenierung erarbeiten wollte, ist nur gelegentlich zu bemerken. Wenn Rigoletto sich im ersten Finale maskiert, legt der Chor (Achtung: Tiefsinn!) die Masken ab, die er bis dahin ständig trug. Späte wird (Achtung: Symbolik!) die Statue eines sich aufbäumenden Pferdes über die Bühne gezogen. Und anstatt Gilda zu erstechen, wird ihr (Achtung: So wahnsinnig modern ist diese Inszenierung!) aus einem Blecheimerchen etwas Farbe aufs Kleid gekippt. Keines dieser Bilder hat suggestive Kraft, nie entsteht Spannung oder Atmosphäre. Man wäre hier tatsächlich mit einer konzertanten Aufführung besser bedient.

Es ist für die Besetzung wohl nicht leicht, gegen dieser szenischen Ödnis etwas entgegenzusetzen. Joseph Calleja, der den Duca sang, hatte nicht seinen besten Abend. Seine Stimme wirkte angestrengt und vor allem in der Höhe forciert, weshalb es seinem „La donna è mobile“ an Leichtigkeit fehlte. So waren es also vor allem Franco Vassallo und Erin Morley, die den Abend retteten. Vassallos Rigoletto mag nicht der farbenreichste sein, aber der aus Mailand stammende Bariton kann seine geschmeidige, erstaunlich agile Stimme herrlich aufblühen lassen. Sein Timbre harmonierte außerdem wunderbar mit dem hellen, sicher geführten, durchdringenden, aber nie scharfen Sopran von Erin Morley, die Rigolettos Tochter Gilda gab. Ihr Schluss-Duett berührte. Dass Gildas großer Auftritt in der 6. Szene („Gualtier Maldé“) eher an ein Gute-Nacht-Lied als an ein Liebesgeständnis erinnerte, lag weniger an ihr als an Marco Armiliato, dessen Dirigat den großen Bogen immer wieder vermissen ließ. Er bot einen eher grobschächtigen, ungenauen Verdi, dem es an Nuancen und Eindringlichkeit fehlte. Zur Inszenierung passte das.

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