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Livekritik zu

L'elisir d'amore

30.04.2013 - 15.04.2015 | München / Nationaltheater München
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cgohlke
am 26.05.2014

Unterhaltsam und anrührend: Donizettis „L’elisir d’amore“ in München

 

David Bösch und sein Ausstatter Patrick Bannwart siedeln die Geschichte um Adina, Nemorino, Belcore und Dulcamara nicht in einem „Florentinischen Dorf“ um 1815 an, wie es im Libretto von Felice Romani vorgesehen ist, sondern in einer grauen, staubigen, tristen Landschaft. Ein Laternenpfahl ragt in die Höhe, ein altes Tefefon hängt wackelig an diesem Mast, alte Campingstühle rosten vor sich hin, schäbige Autoteile liegen nutzlos am Rande. Wollte Bösch mit seiner Inszenierung, die im Dezemeber 2009 Premiere hatte, Donizettis Oper kritisch demontieren und gegen den Strich bürsten? Keineswegs. Vielmehr erzählt er auf subtile Weise eine ungemein anrührende Geschichte, die gerade vor diesem trostlosen Hintergrund an Plausibilität gewinnt und ihren ganzen Zauber entfaltet. Denn die Bewohner dieses heruntergekommenen, vom Krieg gezeichneten Dorfes sehnen sich nach Abwechslung, nach Unterhaltung und natürlich auch nach Liebe. Freilich gehen die Vorstellungen davon, was unter Liebe denn zu verstehen sei, weit auseinander: Dulcamara macht einfach seine Geschäfte damit wie mit allem anderen auch. Ambrogio Maestri, gewaltig von Statur wie von Stimme, ist eine wunderbare Besetzung für die Partie dieses leutselilgen Quacksalbers. Er kann seinen geschmeidigen Bass pathetisch donnern lassen, er kann aber auch zungenflink die Vorzüge seiner Wundermittel anpreisen. Belcore wiederum vergleicht die Liebe mit dem Krieg. Mit Gefühlen hat das wenig zu tun, es geht vielmehr ums Erobern und Besitzen. Levente Monár gibt ihn mit kraftvoller, vielleicht etwas monochromer Stimme als ein kriegerisches Muskelpaket, als Ausbund roher Männlichkeit, der davon überzeugt ist, dass er „Tausende“ von Frauen haben kann. Adina gehört nicht zu ihnen, wenn sie auch fast in die Ehe mit ihm gewilligt hätte. Anfangs ist Liebe für sie nur ein Spiel. Erst später lernt sie durch Nemorinos Unbedingtheit echte Liebe kennen. Aleksandra Kurzak ist eine adrette, durchaus kapriziöse Adina, die daran gewöhnt ist, im Mittelpunkt zu stehen und schwer gekränkt reagiert, als Nemorina sich (scheinbar) von ihr abwendet. Frau Kurzak hat einen klaren, durchdringenden, stets sicher geführten Sopran, der gelegentlich zur Härte neigt. Aber ihr glückten auch leisere Momente. Vor allem das finale Duett mit Nemorino („Prendi, per me sei libero“) berührte. Nemorino, dem diese Freiheit aus Liebe erkauft worden ist, kann sein Glück kaum fassen und fällt nach dem ersten, lang ersehnten Kuss glatt in Ohnmacht. Es ist erstaunlich, wie Pavol Breslik sich glaubhaft vom „kleinen Nichts“, das unscheinbar und grau durch die Welt geht, zur vom Wein beschwingten Frohnatur wandelt, die sich das Hemd vom Leibe reißt und die Zuneigung der Dorfschönen in dem naiven Glauben genießt, der Liebestrank beginne zu wirken. Breslik überzeugt schauspielerisch und meistert seine Partie mit kontrolliertem Tenor auch stimmlich sehr gut. Manchmal hätte man sich aber eine größere Inständigkeit, mehr Emphase und Hingabe gewünscht („M’ama, sì m’ama“). Nicht immer ganz sicher geführt wurde dieses Ensamble, das mit Lust bei der Sache war, von Carlo Montanaro, der gelegentliche Unschärfen und Wackler aber durch Temperament und Schwung wettzumachen wusste.

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Unterhaltsam und anrührend

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