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Livekritik zu

La Cenerentola

04.03.2014 - 26.04.2015 | München / Nationaltheater München
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cgohlke
am 10.03.2014

Der Sieg der Tugend

„La Cenerentola“ in München

 

Am 6. März stellte der Intendant der Bayerischen Staatsoper, Nikolaus Bachler, gemeinsam mit dem Generalmusikdirektor Kirill Petrenko auf einer Pressekonfernez das Programm der kommenden Saison 2014/15 vor. Natürlich lag dabei das Gewicht auf den sechs Premieren der neuen Spielzeit, die einen weiten Bogen schlagen von Domizettis „Lucia“ bis zu Bergs „Lulu“, die beide Petrenko selbst leiten wird. Aber Nikolaus Bachler betonte, dass für ein großes Haus wie das Münchner Nationaltheater auch die Pfelge des breiten Repertoires von großer Bedeutung sei. Tatsächlich gibt es nicht viele Opernhäuser auf der Welt, die ein so breites, vielfältiges Spektrum bieten. So werden neben den sechs Neuinszenierungen in der kommenden Spielzeit siebenunddreißig Opern zu sehen sein, darunter die wichtigsten Werke Mozarts und Verdis. Auch der „Ring des Nibelungen“, den ebenfalls Petrenko leiten wird, steht in München wieder auf dem Spielplan.

Eine der Arbeiten, die seit Jahrzehnten zum Bestand des Hauses gehört, ist Jean-Pierre Ponnelles Inszenierung von Rossinis „La Cenerentola“, die im Dezember 1980 Premiere hatte. Wie steht es nun also konkret um die Pflege des Repertoires am Beispiel dieser alten Produktion? Sicher, die Vorstellung im Jahr 2014 ist keine Sternstunde und keine höchste musikalische Erfüllung. Aber es ist ein unterhaltsamer, amüsanter, sehr ordentlich musizierter Abend. Das ist für eine ganz gewöhnliche Repertoire-Aufführung nicht wenig, und das Münchner Publikum dankt den Beteiligten am Ende denn auch lebhaft dafür. Ponelles Inszenierung, die vor allem in den Chor- und Ensembleszenen in einer zum Teil choreographisch anmutenden Personenführung genau der Musik folgt, ist noch immer witzig, weil sie die Charakterzeichnung der Figuren zuzuspitzen versteht. Clorinda und Tisbe (mit Lust gespielt und tadellos gesungen von Eri Nakamura und Paola Gardina) sind hier der Inbegriff eitler Nichtigkeit. Liebevoll umhegt werden sie von Don Magnifico, dem Papa der beiden Schwester-Ungetüme. Paolo Bordogna gibt ihn zungenfertig und mit imponierendem Bass als reinen Opportunisten, der um jeden Preis eine gute Partie finden möchte, um seine maroden Finanzen zu sanieren. Cenerentola, die bei Tara Erraught als Figur trotz klarer, sicher geführter Stimme eher blass wirkt, hat es in diesem familiären Umfeld natürlich schwer. Da aber im Märchen die Tugend belohnt wird, bekommt sie am Schluss ihren Prinzen. Von diesem Don Ramiro (Lawrence Brownlee) hätte man sich indes strahlendere, leichtere Höhen gewünscht. Da wusste sein Diener Dandini (Riccardo Novaro) durch Spielwitz und stimmliche Geschmeidigkeit mehr zu überzeugen. Auch Alex Esposito war als Philosoph Alidoro eine präsente, beeindruckende Figur, wenn seine große Stimme gelegnetlich auch etwas rauh klang. Geleitet wurde dieses insgesamt stimmige Ensemble von Riccardo Frizza. Nicht eben glühend, nicht geradezu mitreißend und vibrierend, aber doch umsichtig und mit Sinn für manches schöne Detail.

7. März 2014

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Gut gepflegtes Repertoire - "Cenerentola" in München

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