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Livekritik zu

Ein Sommernachtstraum

13.10.2013 - 07.07.2015 | München / Nationaltheater München
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cgohlke
am 22.05.2017

Ein Sommernachtstraum

John Neumeiers Ballett-Klassiker ist zurück beim Bayerischen Staatsballett

 

Zu den Balletten, die der seit vergangener Spielzeit amtierende Igor Zelensky aus dem alten Repertoire seines Vorgängers übernommen hat, gehört erfreulicherweise John Neumeiers „Sommernachtstraum“. Uraufgeführt wurde das inzwischen klassisch gewordene Handlungsballett 1973 in Hamburg. Beim Bayerischen Staatsballett ist die Choreographie seit 1993 zu sehen.

Die Wiederaufnahme im Mai war spannend, weil nun zum ersten Mal das von Zelensky radikal veränderte Ensemble auf der Bühne stand. Wobei nicht alle Rolle neu besetzt sind: Javier Amo, der einen schneidigen Demetrius tanzte, und Ivy Amista, die eine gefühlvolle Hermia darstellte, gehörten genauso wie Jonah Cook bereits unter der Intendanz von Ivan Liska zur Compagnie. Jonah Cook hat die wichtige Rolle des Lysander übernommen – und füllt sie glanzvoll aus. Er gibt den Gärtnerburschen, der mit seiner Geliebten Hermia im Wald Zuflucht sucht, als temperamentvollen jungen Mann mit präziser Technik und hoher Präsenz. Aber auch Demetrius ist in Hermia verliebt und hofft, sie im Wald zu finden. Ihm wiederum folgt die unglücklich liebende Helena (Maria Shirinkina) in halb klettenhafter und halb tolpatschiger Anhänglichkeit. Puck soll mit seinem Zaubersaft dafür sorgen, dass Demetrius Helena und nicht mehr Hermia liebt. Doch natürlich verwechselt er die Paare, so dass die Verwirrung der Gefühle im Wald von Athen vollständig wird. Dieses Quartett zu Ende des ersten Aktes ist sicher einer der Höhepunkte des Abends, da die vier Tänzer ihre Rollen mit Verve ausfüllen.

Neubesetzt ist auch die zentrale Rolle des Puck, der für so viel Durcheinander verantwortlich ist. Osiel Gouneo meistert den anspruchesvollen Part zwar mit technischer Bravour. Ihm fehlt hingegen ein wenig das Schelmische und Neckische, das zum Charakter dieser Rolle doch auch gehört. An glaubhaftem Ausdruck mangelte es in manchen Passagen auch Ksenia Ryzhkova und Erik Murzagaliyev. Die höfische Eleganz, die von Theseus und Hippolyta verlangt werden, konnten beide Tänzer mit großer Anmut darstellen, so dass die Rahmenhandlung wunderbar glückte. Von Titania und Oberon hingegen hätte man sich, zumal zu Beginn der Binnenhandlung, mehr Ausdruckskraft gewünscht. Zu sehen war weniger ein heftiger Streit als vielmehr gekonnte Akrobatik. Hier erinnerte man sich mit Wehmut an Lucia Lacarra, die in dieser Partie in früheren Jahren beeindruckte.

Auffällig und höchst erfreulich war indes die größere Genauigkeit, mit der die Ensemble-Szenen getanzt wurden. Nicht nur die feierliche Hochzeitszeremonie, mit der Neumeiers Ballatt glanzvoll zu Ende geht, sondern auch die phantastischen Elfenszenen wirkten in ihrer Kontur deutlich geschärft. So ist bei aller Kritik an Details ein großer Ballett-Abend geglückt. Dass man ihn gleichsam mit erhobenem Herzen verlässt, ist nicht nur einer sehr guten tänzerischen Leistung zu danken. Es liegt auch an Jürgen Roses hinreißend schönem Bühnenbild , an mit größter Liebe zum Detail gearbeiteten Kostümen und an der Musik, die unter der Leitung von Michael Schmidtsdorff satt, doch weich, kraftvoll, aber differenziert aus dem Orchestergraben aufsteigt. Ein Abend als Wohltat im oft so grauen Theateralltagseinerlei.

München, am 16. Mai 2017

 

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