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Livekritik zu

Konzerte des Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks

12.05.2016 - 31.12.2017 | München / Philharmonie im Gasteig
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cgohlke
am 18.05.2016

Lebensprall

Herbert Blomstedt und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks in München

 

Das war die unterhaltsamste, ungezwungenste Einführung zu neuer klassischer Musik, die sich denken lässt. Herbert Blomstedt, 1927 in den USA geboren, erläuterte in der Münchner Philharmonie eine Komposition von Ingvar Lidholm, die 1964 zum 50-jährigen Bestehen des Stockholm Philharmonic Orchestra von ihm uraufgeführt wurde. „Poesis“ heißt das Orchesterstück, das mit Klangfarben und dem Einsatz ungewöhnlicher Instrumente experimentiert. Humorvoll und charmant wies Herbert Blomstedt auf viele Details hin, die man später beim Hören wiedererkennen konnte. Das half beim Verständnis, und der Applaus, mit dem für „Poesis“ gedankt wurde, wäre ohne diese wundervoll unverkrampfte Einführung gewiss nur halb so stark gewesen.

Lidholms Orchesterstück, klug zwischen zwei der großen romantischen Repertoirestücken gesetzt, macht deutlich – und Blomstedt wies in seiner Einführung ausdrücklich darauf hin -, dass für jüngere Komponisten eigentlich nur der völlige Bruch mit der Tradition blieb, weil deren Gipfelwerke schlechthin unübertrefflich sind. Das zeigten Richard Wagners Vorspiel und Liebestod aus „Tristan und Isolde“ und Ludwig van Beethovens fünfte Sinfonie.

Herbert Blomstedt und das bestens gelaunte agile Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks glänzten vor allem bei der Interpreation von Beethovens Fünfter. Zügig im Tempo und jederzeit klar in der Artikulation, glückte an diesem Abend eine höchst vitale Wiedergabe. Bewundernswert war vor allem Blomstedts Kunst, große Steigerungen anzulegen und organisch wirkende Übergänge zu schaffen. Details wurden (von hervorragenden Holz- und Blechbläsern) deutlich akzentuiert, waren aber nie virtuoser Selbstzweck. So entfaltete der Oboist zu Beginn der Reprise des Kopfsatzes seine kleine Melodie zart und schmerzlich wie das plötzliche Aufscheinen einer anderen Welt inmitten des rasanten, vorwärtsdrängenen Allegro. Spannungsreich gelang später der Übergang vom Scherzo ins Finale, das von Blomstedt mit vibrierender Kraft und Lebensfülle gestaltet wurde. Keine öde Routine, keine bloße Kraftmeierei, sondern die Lust am Musizieren prägten dieses Presto-Finale. So glutvoll und zugleich unangestrengt hört man das selten.

München, am 13. Mai 2016

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