Overlay
Livekritik zu

Così fan tutte

17.06.2012 - 24.11.2015 | München
« zurück zur Veranstaltungsseite
cgohlke
am 25.11.2015

Cosi fan tutte

Mozarts abgründige Schule der Liebhaber an der Bayerischen Staatsoper

 

Seit über zwanzig Jahren steht Mozarts „Cosi fan tutte“ in Dieter Dorns Inszenierung, die im Januar 1993 in der gleichermaßen geschmack- wie phantasievollen Ausstattung Jürgen Roses Premiere hatte, auf dem Spielplan der Bayerischen Staatsoper. Man merkt es ihr nicht an.

Die Produktion wirkt jetzt bei der Wiederaufnahme frisch und lebendig. Das ist natürlich vor allem der Besetzung zu danken, die mit großer Spielfreude bei der Sache ist. Besonders gut gelingt es den drei Sängerinnen (sie alle waren einmal Mitglied im Münchner Opernstudio), überzeugende Rollenportraits zu gestalten.

Tara Erraught gibt eine dralle, wunderbar bodenständige Despina, und Angela Brower ist als Dorabella zur seriöseren, tiefer fühlenden Fiordiligi ein stimmig leichtherziges Gegenstück. Zwar hätte man sich wohl eine dunkler timbrierte Dorabella mit größerer Emphase wünschen können, aber Angela Brower spielt das Übermütig-Mädchenhafte, Lebenslustige dieser Figur so überzeugend, dass man ihr den ganzen Abend lang gerne folgt.

Golda Schultz, die im vergangene Sommer als Sophie im „Rosenkavalier“ bei den Salzburger Festspielen debütierte, gibt mit stets sicher geführtem, klarem Sopran eine zwar gefühlstiefe, aber doch ganz junge, lebenszugewandte Fiordiligi, die besonders mit dem großen Rondo im zweiten Akt „Per pieta“ berührt.

Dass dem Duett mit Ferrando „Fra gli amplessi“ eine letzte Dringlichkeit fehlte, lag wohl auch an Paolo Fanale, dessen Tenor den ganzen Abend lang ein wenig belegt und unfrei klang. Dabei passt seine lyrische Stimme zu dieser Partie eigentlich gut, wie sein mit Innigkeit gesungenes „Un aura amorosa“ zeigte.

Michael Nagy sang mit kernigem, warmem Bariton den Guglielmo, Christopher Maltman gab einen stimmstarken, souveränen Alfonso. Am Pult des sehr klein besetzten Staatsorchesters stand Constantin Trinks, der einen scharf konturierten, schlanken, von der historisch informierten Aufführungspraxis inspierierten Mozartklang entfaltete.

Manchmal hätte man sich ein wenig mehr Schmelz gewünscht, und nicht immer gelang es dem Dirigenten, bei langsamen Tempi die Spannung zu halten.

Trotz aller Einwände im Detail: Diese „Cosi“ lohnt dank junger Stimmen und einer klugen, völlig unprätentiösen Regie den Besuch!

München, am 22. November 2015

Besucherfazit

Frisch und berührend

Bewertung

  • Fazit
  • Unterhaltung
  • Anspruch
  • Preis/Leistung
  • Atmosphäre
0 Personen fanden diese Livekritik hilfreich.
Konnte Ihnen diese Livekritik helfen?
Ja

Zuletzt aktive Livekritiker

  • CHAMÄLEON Theater GmbH
  • Juliane Wünsche
  • august14979
  • PROARTEFrankfurt
  • Daniel Anderson
  • Jamal Tuschick
  • Holger Kurtz
  • Kyritz
  • poy
  • Sarah Mauelshagen
  • Katharina Hö
  • Kerstin Al-Najar
  • Silke Liria Blumbach
  • Esther Barth
  • Odile Swan
  • Marylennyfee Schmidt
  • ENSEMBLE RUHR
  • Klaus
  • Stephanie Speckmann
  • Wolfgang Albrecht
  • Altfriedland

Für Freikarten und Kulturtipps

Andere Besucher interessierte auch

Machen Sie mit

Kultur erleben

  • Erhalten Sie Informationen zu Veranstaltungen, die Sie wirklich interessieren.
  • Austauschen mit anderen Livekritikern.
  • Gewinnen Sie Freikarten.
Jetzt kostenlos registrieren!